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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Epikur, sprachanalytisch gesehen (254 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 17:18 Uhr (Zitieren)
Epikur verwendet in seiner Argumentation zum Tod natürlich keine sprachanalytischen Termini, aber im Grunde kann man ihn so auffassen, daß er uns mit Argumenten klarmacht, wie Worte à la „Schmerz“, „Leid“ usw. funktionieren. Bestimmte Wörter (sehr viele sogar) verlieren ihren Sinn, wenn kein Subjekt existiert, auf das sie bezogen werden können.

Ähnlich kann man seine Argumentation zu den Göttern verstehen: Wenn man sich bewußt macht, was das Wort "Gott" bedeutet, dann wird klar, daß Götter uns nichts angehen.

(Wolfgang Weimer)
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Andreas schrieb am 15.11.2024 um 18:04 Uhr (Zitieren)
Müsste man dazu nicht erst definieren, was unter GOTT alles verstanden wird bzw.
wo man es wann wie verwendet?

vgl:
Gott. Ja, es ist das beladenste aller Menschenworte. Keins ist so besudelt,
so zerfetzt worden. Gerade deshalb darf ich darauf nicht verzichten. (Martin Buber)
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 18:13 Uhr (Zitieren)
Müsste man dazu nicht erst definieren, was unter GOTT alles verstanden wird bzw.
wo man es wann wie verwendet?

Ja. Deshalb steht das da:
Wenn man sich bewußt macht, was das Wort "Gott" bedeutet [...]

Epikur tut das. Kann man nachlesen in seinem "Brief an Menoikeus":
Erstens halte Gott für ein unvergängliches und glückseliges Lebewesen, so wie die allgemeine Vorstellung von Gott im Menschen angelegt ist, und hänge ihm nichts an, was seiner Unvergänglichkeit fremd oder seiner Glückseligkeit unangemessen wäre.

Daraus leitet er das weitere ab.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Andreas schrieb am 15.11.2024 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Das sind Annahmen/Axiome, die nicht stimmen müssen.
Axiom falsch, alles falsch.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 18:31 Uhr (Zitieren)
Nicht Axiom, sondern Definition. So geht die sprachanalytische Philosophie vor. Wie wird ein Begriff in unserer Sprache definiert? Was folgt daraus?
(Ein Axiom setzt Definitionen bereits voraus; sonst könnte es nicht formuliert werden.)
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Ein schönes Beispiel ist das, was (ich meine) Wittgenstein aus der (damals gültigen) Definition von "1 Meter" macht: "1 Meter = so lang wie der Pariser Urmeter."
Wenn dies die Definition ist, dann folgt daraus, daß der Satz "Der Pariser Urmeter ist 1 Meter lang" tautologisch ist, also bedeutungsleer.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 18:42 Uhr (Zitieren)
Was in der sprachanalytischen Philosophie neben der Definition noch wichtig ist, sind die Verifikations- bzw. Falsifikationskriterien von Aussagen.
Damit steht es in der Theologie natürlich ganz luftig; aber ich habe nicht den Eindruck, daß Epikur auch speziell darauf eingeht.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Andreas schrieb am 15.11.2024 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Erstens halte Gott für ein unvergängliches und glückseliges Lebewesen, so wie die allgemeine Vorstellung von Gott im Menschen angelegt ist, und hänge ihm nichts an, was seiner Unvergänglichkeit fremd oder seiner Glückseligkeit unangemessen wäre.

Wie soll man das verifizieren oder falsifizieren?
Es sind Vermutungen, Spekulationen, Gedankenkonstrukte, Projektionen menschl. Wünsche o.ä.
Heute lässt sich das psychoanalytisch erklären und religionssoziologisch auflösen.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 15.11.2024 um 19:00 Uhr (Zitieren)
Erstens halte Gott für ein unvergängliches und glückseliges Lebewesen, so wie die allgemeine Vorstellung von Gott im Menschen angelegt ist

Wie gesagt, das ist eine Definition - erkennbar bezogen auf die Sprache/das Denken, wie er sie vorfindet.
Daraus leitet er dann im Verlaufe seiner Argumentation etwas ab: daß Götter uns nichts angehen.

Ebenso im Falle von "Schmerz": Der ist so definiert, daß jemand ihn haben muß, wenn er vorliegt. Im Tod ist aber niemand mehr da, der ihn hat. Also gibt es für Tote keinen Schmerz.

Mich interessiert daran die Vorgehensweise, die mich an die sprachanalytische Philosophie erinnert: Gehe von einer Definition aus und schau, was daraus folgt.

Daß Epikur deren zweites Element, die Wahrheitskriterien, nicht einsetzt, stimmt und sagte ich schon.

Die sprachanalytische Methode wird nicht durch Psychoanalyse und Religionssoziologie ersetzt, denn auch diese bedürfen der Sprache, d.h. setzen sie voraus.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Aurora schrieb am 16.11.2024 um 07:26 Uhr (Zitieren)
Ähnlich kann man seine Argumentation zu den Göttern verstehen: Wenn man sich bewußt macht, was das Wort "Gott" bedeutet, dann wird klar, daß Götter uns nichts angehen.

Und wie sieht es aus, wenn man für Gott LIEBE einsetzt? (1Joh 4, 16)
Geht uns Gott dann etwas an?

Warum glaubte er überhaupt an Götter?

PS:
In Netz finde ich dazu:

Das Prolepsis-Argument:
Er ging von einer universellen Gottesvorstellung bei allen Menschen aus
Diese allgemeine Idee von Göttern (Prolepsis) müsse einen realen Ursprung haben
Solche gemeinsamen Vorstellungen entstehen seiner Theorie nach durch wiederholte Sinneseindrücke

Die Traumtheorie:
Menschen haben in Träumen Göttererscheinungen
Diese Traumbilder entstehen laut Epikur durch feine Atomfilme,
die von real existierenden göttlichen Wesen ausgehen
Diese Bilder prägen sich dem menschlichen Geist ein

Philosophische Überlegungen:
Götter verkörpern das Ideal der Glückseligkeit
Als höchste Form des Seins müssen sie existieren
Ihre Existenz erklärt die menschliche Sehnsucht nach Vollkommenheit

Strategische Gründe:
Die Anerkennung von Göttern schützte ihn vor dem Vorwurf des Atheismus
Er konnte so seine kritische Religionsphilosophie besser vermitteln
Die Götter dienten als positive Alternative zur Volksreligion
Geht er nicht auch von nicht verifizierbaren Annahmen aus?

Ist das soweit richtig?

Als höchste Form des Seins müssen sie existieren

Das erinnert an Anselm von Canterbury, dessen Gottesbeweis Kant zertrümmert hat.

Die Traumtheorie Epikurs verstehe ich nicht.
Re: Epikur, sprachanalytisch gesehen
Γραικύλος schrieb am 16.11.2024 um 15:58 Uhr (Zitieren)
Und wie sieht es aus, wenn man für Gott LIEBE einsetzt? (1Joh 4, 16)
Geht uns Gott dann etwas an?

"Liebe" ist ja noch keine Definition, sondern lediglich ein Wort.

Meine erste Frage wäre: Ist damit die personifizierte Liebe gemeint, zu der man beten und die einem helfen kann (etwa: Aphrodite), oder ein Abstraktum, ein Prinzip, bei dem das nicht möglich ist?

Die zweite Frage: Gibt es daneben noch andere Götter? Z.B. den Krieg (Ares), den Streit (Eris)?

Die dritte Frage: Treffen auf diesen Gott Epikurs Prädikate "unvergänglich" und "glückselig" zu?

Und noch eine vierte Frage: Wie verhält sich dieser Gott zu den in der Sprache, in der wir sprechen, üblichen Vorstellungen von Gott bzw. Göttern? D.h. handelt es sich um eine neue Definition, oder knüpft sie an eine bestehende an?

Nach Beantwortung dieser Fragen könnte man anfangen darüber nachzudenken, was aus der nunmehrigen Definition folgt und ob es für Aussagen, welche sie verwenden, Verifikations- und Falsifikationskriterien gibt.
 
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