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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sklaverei im Athen des 5. Jhdts. v.u.Z. (259 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.11.2024 um 00:09 Uhr (Zitieren)
Verglichen mit der vorausgegangenen Zeit gewann die Unfreiheit an Umfang und Bedeutung, vor allem in Athen und anderen entwickelteren griechischen Staaten. Die Unfreien betrugen schätzungsweise ein Viertel bis ein Drittel der Stadtbevölkerung.

Die äußerste Form der Unfreiheit stellten Sklaven dar, wobei die Übergänge zu Freien fließend waren. Verarmte und dadurch in ihrer Sicherheit bedrohte Freie waren nicht selten schlimmer dran als in häuslicher Gemeinschaft mit ihren Herren lebende Sklaven. Für das Standesbewußtsein bestand kein großer Unterschied zwischen dem Dienen eines Sklaven ohne Lohn und dem Dienen eines abhängig gewordenen Freien für Lohn.

Sklaven waren zu den Mysterienkulten zugelassen und beteiligten sich innerhalb der Hausgemeinschaft als vollwertige Mitglieder am religiösen Leben der Herrschaft, da niemand ihnen eine unsterbliche Seele abstritt. Die meisten griechischen Haushaltungen scheinen einige (3-12) Sklaven besessen zu haben. In handwerklichen Betrieben waren es oft wesentlich mehr.

Sklaven wurden im allgemeinen durch Kauf erworben. Meist waren es Kriegsgefangene; aber auch Selbstverkauf von Freien in die Sklaverei aus Not kam vor. Außerhalb Athens war selbst die Schuldsklaverei noch nicht völlig überwunden. Schließlich gelangten durch Piraterie und Menschenraub Men-schen auf den Sklavenmarkt. Da der Sklavenstatus erblich war, gab es auch hausgeborene Sklaven.

In den Haushaltungen als Sklaven tätige Ammen, Hauslehrer und Hausärzte standen dem Hausherren und seiner Familie persönlich nahe; dem Vertrauen auf der einen Seite entsprach auf der anderen eine besondere Treue. Auch Flötenspielerinnen, Tänzerinnen und Hetären waren meist Sklavinnen. Seltener wurden Sklaven in der Landwirtschaft eingesetzt.

Weder in den Haushaltungen noch in den Handwerksbetrieben gab es Arbeitsgebiete, in denen ausschließlich Sklaven eingesetzt wurden; überall dienten Sklaven zur Unterstützung von Freien. Mitunter wurde Sklaven gestattet, auf eigene Rechnung zu arbeiten; dann hatten sie ihrem Herrn vom Erlös eine bestimmte Summe zu zahlen. Dies waren Übergangsformen zur freien Arbeit.

Besonders zahlreich waren Sklaven in den Silberbergwerken von Laureion beschäftigt (bis zu 20000). Dafür waren Spezialkenntnisse erforderlich, so daß diese Sklaven als besonders wertvoll galten. Sie hatten sogar die Stellung von Hüttenmeistern und Vorarbeitern inne. Weit mehr als die Hälfte dieser Bergwerkssklaven war nichtgriechischer Herkunft. Verglichen mit den in den Städten arbeitenden Sklaven waren diejenigen von Laureion stärker abgesondert und sozial schlechter gestellt. Dennoch konnten auch sie einen gewissen Besitz erwerben, wie aus ihren Bestattungen und ihren kultischen Leistungen ersichtlich ist.

Im Staatsdienst waren Sklaven tätig als Polizisten, Scharfrichter, Straßenreiniger und in den Münzen. Tempel besaßen gleichfalls Sklaven, wenngleich weniger als im Orient; sie waren meist als Stiftungen in den Besitz der Tempel ge-langt.

Rechtlich entsprach die Stellung der Sklaven derjenigen der Fremden: Polisgesetze schützten sie nur geringfügig. Gegen grausame Willkür eines Herren konnten Sklaven in Tempeln oder an Altären Asyl suchen und um Verkauf an einen anderen Herrn bitten. Wenngleich die Tötung eines Sklaven durch seinen Herrn von der Polis nicht als Mord geahndet wurde, galt sie jedoch religiös als Frevel, für den sich der Betreffende verantworten mußte.

Dem Herrn stand frei, einen Sklaven zu verkaufen, zu verschenken, zu verpfänden oder testamentarisch zu vermachen. Soziale Konsequenzen hatte die Heranziehung von Sklaven zum Kriegsdienst. In dem Maße, wie die Verteidigung der Polis Ehrenpflicht der Bürger war, mußte eine Beteiligung von Unfreien an Kriegseinsätzen Auswirkungen auf deren sozi-alen Status haben. Wenngleich nicht als selbständige Kämpfer, so begleiteten Unfreie doch häufig ihre Herren zu Hilfsdiensten in die Schlacht, wobei sie sich durch Tüchtig-keit auszeichnen und persönliche Verdienste erwerben konnten. Nach der Schlacht bei Marathon wurde solchen Sklaven durch Volksbeschluß die Freiheit gegeben.

(Hermann Müller-Karpe: Grundzüge früher Menschheitsgeschichte. 5 Bände; Bd. 4: Vom 7. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Darmstadt 1998, S. 386 f.)
 
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