Γραικύλος schrieb am 02.11.2024 um 00:06 Uhr (Zitieren)
Re: Communia balnea #1
Bukolos schrieb am 03.11.2024 um 07:51 Uhr (Zitieren)
Öffentliche Badeanstalten für die boiotische Landbevölkerung hatte der Dichter beim γυναικείῳ λουτρῷ vermutlich nicht im Sinn. Eher das Badewasser einer Frau (wie bspw. Walter Marg übersetzt).
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 03.11.2024 um 11:26 Uhr (Zitieren)
Ach. Die Artemis-Ausgabe von Walter Murg übersetzt diesen Vers, überhaupt die Verse 724-759 gar nicht, mit der Begründung, höchstwahrscheinlich stammten sie nicht von Hesiod. So schreibt er es S. 367.
Von wem auch immer sie stammen: Ein Verbot gemeinsamen Badens wäre durch Sittlichkeitsgründe motiviert; ein Verbot, im Badewasser einer Frau zu baden, wäre durch was motiviert?
Re: Communia balnea #1
filix schrieb am 03.11.2024 um 13:16 Uhr (Zitieren)
Misogyne Intoxikations- oder Effeminationsphantasien beim Kontakt mit (im weitesten Sinne) Ausscheidungen weiblicher Körper, vergleichbar mit Vermeidungsregeln in Bezug auf die menstruierende Frau? Schlechte Zeiten für Belle Delphines offenbar.
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 03.11.2024 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Das ist denkbar. Dafür gibt es Parallelen.
Mit Walter Murg meinte ich Walter Marg. Es überrascht mich, daß Bukolos von dem eine Überetzung wiedergibt, die in dem Buch gar nicht enthalten ist.
Re: Communia balnea #1
filix schrieb am 03.11.2024 um 21:15 Uhr (Zitieren)
Das 19. Jahrhundert (W.A. Becker) ortet darin Abwehr von Warmduscherei:
Zeitgenössische Interpretationen (Dunstan Lowe: Monsters and Monstrosity in Augustan Poetry) gehen mehr in die von mir angesprochene Richtung:
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 03.11.2024 um 23:09 Uhr (Zitieren)
Intuitiv entscheide ich mich da für Menstruations-Hypothese. Das ist dumm genug, um realistisch zu sein.
Re: Communia balnea #1
Bukolos schrieb am 04.11.2024 um 08:08 Uhr (Zitieren)
Die Übersetzung der von ihm athetierten Teile der Erga1 liefert Marg in einem Anhang. Unsere Verse finden sich auf S. 378. Marg vermutet, dass, ähnlich dem hier Gesagten, die λευγαλέη ... ποινή in Potenzproblemen liege.
Re: Communia balnea #1
Bukolos schrieb am 04.11.2024 um 08:10 Uhr (Zitieren)
Erga1 -> Erga
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 04.11.2024 um 10:48 Uhr (Zitieren)
Stimmt, dort im Anhang gibt er sie wieder.
Re: Communia balnea #1
Patroklos schrieb am 04.11.2024 um 11:31 Uhr (Zitieren)
Der Anhang ist lateinisch als appendix ein Femininum. Sie gilt inzwischen nicht mehr als funktionslos.
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 04.11.2024 um 11:53 Uhr (Zitieren)
Die folgende Zeile "denn schlimme Strafe steht auch darauf, im Lauf der Zeit" klingt nicht nach einem behördlichen Bußgeld, sondern eher nach Impotenz o.ä.
Re: Communia balnea #1
Bukolos schrieb am 05.11.2024 um 13:15 Uhr (Zitieren)
Wenn Beckby in seinem Kommentar zu Anth. Gr. 9, 783 als Beleg dafür, dass es "in Griechenland [...] zunächst keine gemeinsamen Bäder für Männer und Frauen" gegeben habe, Hesiod anführt, und zwar in derselben sinnverändernden (d. h. die beiden folgenden Verse auslassenden) Kürze, wie wir sie bei Clemens von Alexandria finden,* scheint er diesem auf den Leim gegangen zu sein in der Annahme, die Erga sagten überhaupt etwas über öffentliche Bäder.
Während aber Hesiodos ermahnt, „Daß sich die Männer nicht waschen die Haut im
Bade der Weiber“, stehen die Bäder Männern und Weibern gemeinsam offen, und dann
entkleiden sie sich zu zuchtlosem Tun („denn aus dem Sehen erwächst den Menschen das
Verlangen“), gerade als ob ihnen beim Baden das Schamgefühl mit weggewaschen würde. (Üb. Stählin)
Re: Communia balnea #1
Γραικύλος schrieb am 05.11.2024 um 17:07 Uhr (Zitieren)
Oh, es gibt von dem Paedagogus von Stählin auch eine Übersetzung? Ich habe die Stählin-Ausgabe von 1905, aber die enthält keine Übersetzung.
Re: Communia balnea #1
Bukolos schrieb am 05.11.2024 um 18:09 Uhr (Zitieren)
Die Edition innerhalb der Griechischen Christlichen Schriftsteller ist, wie alle Ausgaben der Reihe, auch in der 3. Aufl. von 1972 einsprachig. Aber Stählin hat für die Bibliothek der Kirchenväter eine Übersetzung angefertigt (München 1934), die als E-Text bei der Universität Freiburg (Schweiz) auch zum Download in verschiedenen Formaten bereitsteht. (Eine Option, von der man angesichts des jüngsten DDoS-Angriffs auf das Internet Archive vielleicht Gebrauch machen sollte.)