Γραικύλος schrieb am 23.10.2024 um 16:11 Uhr (Zitieren)
(Wolfgang Weimer)
Re: Jesus antwortet einem Kritiker
Andreas schrieb am 23.10.2024 um 17:20 Uhr (Zitieren)
Was veranlasst dich zu diesem Beitrag?
Zum Missionsbefehl:
Eher nachösterliche Formulierung weil:
Nur bei Mt 28 und nicht in ältesten Quellen
Trinitarische Taufformel ist späte Entwicklung
Universale Mission war erst nachösterliche Entwicklung
Reflektiert bereits bestehende Missionspraxis
Möglicher historischer Kern:
Jesus hatte eine über Israel hinausgehende Perspektive
Er beauftragte Jünger zur Verkündigung
Die Botschaft sollte weitergetragen werden
Fazit:
Abendmahl: Historischer Kern mit nachösterlicher Deutung/Ausformung
Missionsbefehl: Primär nachösterliche Gemeindetheologie, aber aufbauend auf Jesu Sendungsverständnis
Zu Mt 16, 18
Mt 16,18 ("Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen") gilt in der historisch-kritischen Forschung überwiegend als nicht historisch, sondern als nachösterliche Gemeindetheologie:
Gründe:
Literarische Analyse:
Fehlt in den älteren Quellen (nicht bei Markus)
Griechisches Wortspiel Petros/petra deutet auf griechischen Entstehungskontext
Der Begriff "ekklesia" (Kirche) ist nachösterlich
Historische Unwahrscheinlichkeit:
Jesus verkündete das nahe Reich Gottes, nicht den Aufbau einer Institution
Die Kirchenstruktur entwickelte sich erst in der Urgemeinde
Die herausgehobene Stellung des Petrus spiegelt seine spätere Rolle
Theologische Merkmale:
Reflektiert bereits entwickelte Gemeindestrukturen
Legitimiert Führungsansprüche
Zeigt Institutionalisierungsprozess der frühen Kirche
Historischer Kern könnte sein:
Besondere Rolle des Petrus im Jüngerkreis
Bedeutung des Petrus für die Urgemeinde
Jesus gab Simon den Beinamen Kephas/Petrus
Der Text ist also eher eine theologische Deutung der nachösterlichen Entwicklung als ein historisches Jesuswort.
Zum nahendem Gottesreich:
Das Reich Gottes besteht nach Jesu Verkündigung konkret in mehreren Dimensionen:
Soziale Dimension:
Aufhebung gesellschaftlicher Ausgrenzungen
Neue Tischgemeinschaft (Sünder, Zöllner eingeschlossen)
Überwindung religiöser/ethnischer Grenzen
Solidarität mit Armen/Marginalisierten
Neue "Familie Gottes" statt traditioneller Strukturen
Ethische Dimension:
Radikale Feindesliebe
Gewaltlosigkeit
Vergebungsbereitschaft
Überwindung von Hass/Rache
Barmherzigkeit statt formaler Gerechtigkeit
Religiöse Dimension:
Unmittelbare Gottesbeziehung ("Abba")
Überwindung ritueller Barrieren
Gnade vor Gesetz
Heilungen als Zeichen der Gottesherrschaft
Befreiung von dämonischen Mächten
Ökonomische Dimension:
Teilen statt Anhäufen
Schuldenerlass
Relativierung von Besitz
Neue Wirtschaftsethik (z.B. Zinsverbot)
Politische Dimension:
Nicht primär politisch-revolutionär
Aber: Relativierung weltlicher Macht
Gewaltfreier Widerstand
Alternative Gemeinschaftsformen
Eschatologische Dimension:
Vollendung durch Gott
Transformation der Welt
Aufhebung des Todes
Universaler Frieden
Kosmische Erneuerung
Also: Eine umfassende Transformation aller Lebensbereiche nach Gottes Willen, die sich bereits in konkreten sozialen und ethischen Praktiken manifestiert.
Alles Utopien unter dem eschatolgischen Vorbehalt??
Was würde Jesus heute zu dem Kritiker sagen vor dem Hintergrund der modernen Kosmo- und
Anthropogenese? Was in einem Satz?
Re: Jesus antwortet einem Kritiker
Γραικύλος schrieb am 23.10.2024 um 17:54 Uhr (Zitieren)
Nimm's mir nicht übel, Andreas, aber ich habe wenig Lust, mich mit KI zu unterhalten.
Ich glaube, daß die Intention meiner Glosse klar genug ist.
Biblische Zeugnisse über Jesus - unter dem Einfluß des Paulus entstanden - sind Teil des Problems, nicht Teil der Antwort.
Re: Jesus antwortet einem Kritiker
Γραικύλος schrieb am 24.10.2024 um 02:13 Uhr (Zitieren)
Jesus war ein Jude, welcher die jüdische Religion reformieren, aber keine neue Religion gründen wollte.
Re: Jesus antwortet einem Kritiker
Andreas schrieb am 24.10.2024 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Genau das sollte die Recherche zeigen.
Zu mehr sollte es nicht dienen und zugleich zeigen, wie fragwürdig
die Argumentation seitens der christl. Religionen sind, die sich
immer noch damit legitimieren wollen.
Ich würde seine Lehre als radikalen Humanismus bezeichnen, sein Gottesbild als Befreiung von
religiösen Ängsten und Zwängen.
Es ist das Ergebnis einer langen Beobachtung von Menschen und Erfahrung mit der religiösen
Nomenklatur, die wie alle anderen auch zuerst an sich und seine Privigien denkt.
Die Kirche ist ein Organisationsprodukt von anfangs überchaubaren Gleichgesinnten.
Mit dem Anwachsen der Jesusbewegung stieg die Notwendigkeit der Selbstorganisation.
Jesus wollte mehr als eine Reform.
Er wollte m.E. ein grundsätzlich anderes Verständnis von ihr, bei dem es v.a. darum geht, den Druck, den Religionen ausüben, herauszunehmen und den absurden Rachegott des AT zu überwinden.
Die Welt ist grausam genug, da muss nicht auch noch ein grausamer, in sich widersprüchlicher Gott her, der mehr Fragen aufwirft als er beantwortet (gilt auch heute noch).
Den gilt es eher, falls existent, zu retten angesicht eben dieses unsäglich grausamen Prozesses,
der auch zur Anthropogenese per Zufall geführt hat - nach 13,8+x Milliarden Jahren evolutionären Rumprobierens nach dem TRY -AND ERROR-Prinzip
PS:
Die so genannten Wunder sind Lösen von psychischen Blockaden,
wie sogar kath. Dogmatiker offen zugeben.
Das Ende der Naturwunder hat wohl längst begonnen.