Tammuz, der Lieblingsgott der Frauen (270 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.10.2024 um 00:06 Uhr (Zitieren)
Religionsgeschichtlich mit großen Problemen behaftet ist die in Mythen eine Rolle spielende Gestalt des Tammuz, eines Jünglings, der starb, beweint wurde und wieder ins Leben zurückkehrte. Ob bzw. inwieweit dem eine alte Gottheit zugrunde lag, die mit Fruchtbarkeitskulten und Auferweckungsvorstellungen in Verbindung stand, ist ungewiß. Fest steht nur, daß es rituelle Handlungen um Tammuz gab, die sich auf das jährliche Wachsen und Vergehen der Vegetation bezogen, ein Naturgeschehen, das göttliches Walten ausdrückte und als Symbol auch für menschliches Leben gedeutet werden konnte.
[Hermann Müller-Karpe: Grundzüge früher Menschheitsgeschichte. 5 Bde. Darmstadt 1998; Bd. 3: Vom 10. bis zum 8. Jahrhundert v. Chr., S. 200]
Tammuz (Thammuz; sumerisch Dumu-zi, „legitimer Sohn) [...]. Vor-zeitlicher König von Uruk und Gemahl der Stadtgöttin Inanna (Ištar). Von ihr wird T. den Mächten der Unterwelt überantwortet, als sie – in ihrem Bestreben gescheitert, auch die Herrschaft über die Unterwelt an sich zu reißen – nur gegen das Versprechen eines (menschlichen) Substitutes aus der Gewalt der Unterwelt entlassen wird. Dumu-zi wird von den Häschern der Unterwelt gefangen; aller-dings bietet sich seine Schwester an, den Aufenthalt in der Unter-welt mit ihm zu teilen, d.h. beide müssen sich für je ein halbes Jahr dort aufhalten [...]. Das Verschwinden des Dumu-zi, das mit dem Sterben der Vegetation in der Hitze des Sommers verbunden wurde, wird in zahlreichen sumerischen und akkadischen Kultliedern beweint. [...] Ähnlichkeiten bestehen mit dem Kult des Adonis [...]. Noch im 5. Jh. n. Chr. scheint der T.-Kult in Nordsyrien lebendig gewesen zu sein [...]. Bis ins 20. Jh. ist T. in den sog. Tammuzī-Gesängen lebendig.