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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Hermotimos von Klazomenai #3 (204 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.10.2024 um 23:22 Uhr (Zitieren)
6. Tertullian: Über die Seele

Ceterum de Hermotimo. Anima, ut aiunt, in somno carebat, quasi per occasionem uacaturi hominis proficiscente de corpore. Vxor hoc prodidit. Inimici dormientem nacti pro defuncto cremauerunt. Regressa anima tardius, credo, homicidium sibi imputauit. Ciues Clazomenii Hermotimum templo consolantur. Mulier non adit ob notam uxoris.

Jetzt aber wollen wir von Hermotimos reden. Wie man sagt, hatte er im Schlafe keine Seele. Diese nutzte die günstige Gelegenheit, daß seine Existenz als Mensch (vorübergehend) aufgehoben sein werde, und verließ den Körper. Seine Frau verriet dies. Die Feinde bemächtigten sich seiner, als er schlief, und verbrannten ihn, als sei er gestorben. Die Seele, allzu spät zurückgekehrt, hat sich selbst – denke ich – die Schuld an dem Mord zugeschrieben. Die Bürger von Klazomenai entschädigten den Hermotimos durch einen Tempel, doch keine Frau hatte wegen des Makels, der seiner Frau anhaftete, Zutritt.

Wozu dies alles? Gerade weil es leichtfällt, die allgemeine Auffassung zu teilen, der Schlaf stelle die Abwesenheit der Seele vom Körper dar, soll verhindert werden, daß auch durch den Hinweis auf Hermotimos der Irrglaube eine Stütze findet. Es handelte sich um eine Art bedeutend tieferen Schlummers. Man kann sie sich als Alpdrücken vorstellen, auch mit jener Krankheit vergleichen, die Soranos (2) dem entgegensetzt, indem er die Möglichkeit des Alpdrückens ausschließt. Oder es war ein derartiges Leiden, das auch den Epimenides zum Gegenstand einer Sage machte, weil er fast fünfzig Jahre schlaftrunken war. Sagt doch auch von Nero Sueton und von Thrasymedes Theopompos, daß sie nie geträumt haben; nur Nero habe ganz wenig in allerletzter Lebenszeit nach seinen Angstanfällen geträumt.

Wie nun, wenn auch Hermotimos so veranlagt war, daß die Muße seiner im Schlaf untätigen Seele als eine Scheidung vom Körper angesehen wurde? Alles kann man eher vermuten als solche Freizügigkeit für eine Seele, die ohne Todesfolge flüchtig werden konnte, wobei die Freizügigkeit infolge ihrer Regelmäßigkeit Dauer gewann. Wenn man nämlich sagte, so etwas sei, wie eine Verfinsterung der Sonne oder des Mondes, so auch bei der Seele nur ein einziges Mal geschehen, so würde ich mich allerdings davon überzeugen lassen, daß es durch göttliche Einwirkung geschehen wäre. [...]

[XLIV 1-3]

(2) antiker Arzt (2. Jhdt. u.Z.), dessen Buch „Über die Seele“ nicht erhalten ist
Re: Hermotimos von Klazomenai #3
filix schrieb am 21.10.2024 um 00:40 Uhr (Zitieren)
quasi per occasionem uacaturi hominis proficiscente de corpore

Diese nutzte die günstige Gelegenheit, daß seine Existenz als Mensch (vorübergehend) aufgehoben sein werde, und verließ den Körper


Der Genitiv bei occasio drückt wohl aus, welche Gelegenheit der Seele sich bietet, aber doch gleichsam die eines Menschen, sich freizunehmen, oder wie Holmes 1870 übersetzte, as if it wandered away from his body like a person on a holiday trip. Kein Grund also, hier temporär die menschliche Existenz abzusprechen, was ja die Wertung der Verbrennung als homicidium im Folgenden konterkarierte.
Re: Hermotimos von Klazomenai #3
Γραικύλος schrieb am 21.10.2024 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Der Einwand leuchtet ein.
Ich habe die Übersetzung von Jan H. Waszink (Artemis 1980) wiedergegeben.
 
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