Γραικύλος schrieb am 16.10.2024 um 17:31 Uhr (Zitieren)
Während meines Studiums habe ich einmal ein Catull-Seminar besucht. Das muß 1968 gewesen sein.
Der Dozent war eigentlich kein Philologe, sondern Custos der Papyrologischen Sammlung der Universität zu Köln. Außerdem war er auf eine reizende Weise verrückt bzw. exzentrisch: Zu jeder Sitzung orderte er einen Kasten Kölsch und ließ eine Kiste Zigarren herumgehen. Außerdem lief er auf nackten Füßen - noch bevor es die Gruppe "Black Fööß" gab.
So haben wir beschwingt Versmaße analysiert und Wortbedeutungen nachgeforscht. Alles vergessen. Nicht vergessen habe ich, wie er einmal sagte: "Wir dürfen über all dem natürlich nicht aus dem Auge verlieren, daß diese Gedichte schön sind."
Er wollte uns wohl vor einer Gefahr bei Philologen warnen.
Re: Eine Anekdote
Γραικύλος schrieb am 16.10.2024 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Die Gruppe heißt "Bläck Fööss", "bläck" für blank, nackt.
Re: Eine Anekdote
filix schrieb am 16.10.2024 um 21:11 Uhr (Zitieren)
Die Korrektur macht diese Anekdote vollkommen.
Re: Eine Anekdote
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 16.10.2024 um 21:44 Uhr (Zitieren)
Für Nicht-Ripuarier:
bläck hat nichts mit der englischen Farbbezeichnung zu tun, sondern ist ein Abkömmling des Verbs blecken, vgl. das DWB s.v.
Nett sind auch die Verwendungsvarianten, die das Rheinische Wörterbuch aufführt:
Re: Eine Anekdote
Γραικύλος schrieb am 16.10.2024 um 23:35 Uhr (Zitieren)
Die Wortbedeutung war mir noch klar, aber nicht die Schreibweise.
Es gibt sogar ein Rheinisches Wörterbuch!
Re: Eine Anekdote
Γραικύλος schrieb am 16.10.2024 um 23:37 Uhr (Zitieren)
Wichtig: Es heißt nicht "Universität Köln", sondern "Universität zu Köln". Ob damit eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Stadt betont werden soll?