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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Abstieg Ischtas in die Unterwelt #2 (181 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.10.2024 um 00:06 Uhr (Zitieren)
Am dritten Tor nimmt er Ischtar die Perlen, die sie um den Hals trägt, ab, am vierten die Spangen von ihrer Brust, am fünften den Gürtel aus „Geburts-Steinen“, am sechsten die Reifen an ihren Handgelenken und Fesseln. Am siebten Tor muß sie auch das prachtvolle Kleid, das ihren Körper bedeckt, hergeben. Sie ist also nackt, als sie vor ihre Schwester tritt, aber es ist Ereschkigal, die zittert. Die Königin der Unterwelt befiehlt ihrem Wesir Namtar, Ischtar sechzig Krankheiten zu schicken, die ihre Augen, ihre Arme, ihre Füße, ihr Herz, kurz jeden Teil ihres Körpers befallen sollen.
In der Zwischenzeit ist auf der Erde jegliche sexuelle Aktivität zum Erliegen gekommen:


Kein Stier besteig eine Kuh, kein Esel besamte eine Eselin,
Kein junger Mann besamte ein Mädchen auf der Straße,
Der junge Mann schlief in seinem eigenen Gemach,
Das Mädchen schlief in Gesellschaft ihrer Freundinnen.

Papsukkal, der Wesir der großen Götter, steht weinend vor Ea; wie gewöhnlich findet der Gott eine Lösung. Er erschafft einen Gespielen für Ereschkigal, dessen Schönheit ihr Herz so erfreuen muß, daß „ihre Stimmung sich aufhellen“ wird. Dieser Gespiele soll dann um einen Wasserschlauch bitten, und unter dem Vorwand, daraus zu trinken, Ischtar mit Wasser besprengen. Die Göttin wird dadurch zu neuem Leben erweckt werden.
Der listige Plan schlägt jedoch fehl. Nachdem sie anfangs von der Schönheit des Jünglings bezaubert war, verflucht Ereschkigal ihn plötzlich:


Brot, von den Pflügen der Stadt zusammengesucht, soll deine Nahrung sein,
Die Abwässerrinnen der Stadt sollen deine einzige Tränke sein,
Der Schatten einer Stadtmauer dein einziger Stehplatz,
Türschwellen dein einziger Sitzplatz,
Der Betrunkene und der Dürstende sollen deine Wangen schlagen.

Aber indem sie den von Ea geschaffenen Jüngling verflucht, verschont sie gleichzeitig Ischtar. Sie befiehlt Namtar, sie mit dem Wasser des Lebens zu besprengen. Es folgt eine Passage, die spiegelsymmetrisch jene wieder aufnimmt, in der Ischtars Einzug in die Unterwelt dargestellt ist: sie wird durch die sieben Tore, durch die sie hineingekommen ist, wieder aus dem Reich Ereschkigals herausgelassen. Bei jedem Tor werden ihr – sozusagen in umgekehrter Reihenfolge – die Symbole ihrer Göttlichkeit zurückgegeben, die man ihr bei ihrem Eintritt abgenommen hat, zuerst also ihr prächtiges Kleid, zuletzt die große Krone für ihren Kopf.
Das Epos endet damit, daß Ischtar für ihre Freilassung mit Dumuzi, dem „Liebhaber ihrer Jugend“, zahlt, der in Zukunft in der Unterwelt wohnen wird. In jedem Jahr wird er für einen Tag auf die Erde zurückkehren, und bei dieser Gelegenheit werden Rituale vollzogen werden. Wahrscheinlich ist damit das Taklimtu-Ritual gemeint, das im Monat des Dumuzi (Juni/Juli) durchgeführt wurde und bei dem in Ninive eine Statue des Fruchtbarkeitsgottes gebadet und gesalbt und dann aufgebahrt wurde.

(Mesopotamische Mythen. Hrsg. v. Henrietta McCall. Stuttgart 1993, S. 127-131)
Re: Der Abstieg Ischtars in die Unterwelt #2
Γραικύλος schrieb am 07.10.2024 um 01:36 Uhr (Zitieren)
(Titelkorrektur)
 
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