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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Sprüche des Cha-Schope-Re-Seneb (170 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.10.2024 um 14:49 Uhr (Zitieren)
Eine Auswahl aus den Sprüchen des Cha-Schope-Re-Seneb:

Die Sprüche sind auf einer Schreibtafel aus der 18. Dynastie Ägyptens (1550-1300 v.u.Z.) erhalten und vermutlich im Mittleren Reich um 1900/1800 (12. Dynastie) entstanden.
Wüßte ich doch etwas, das andere noch nicht wußten, etwas von dem, was nicht wiederholt ist, damit ich es sagte und mein Herz mir darauf antwortete, damit ich ihm mein Leid klarmachte und auf es die Last abwälzte, die auf meinem Rücken liegt.

Ich denke nach über das, was geschieht, über die Dinge, die durch das Land hin geschehen: Verwandlung tritt ein, es ist nicht mehr wie im Jahr zuvor, und ein Jahr lastet schwe-rer als das andere.
Das Land ist in Aufruhr und ist verwüstet, das Recht ist ausgewiesen, Unrecht wohnt im Beratungssaale. Die Gedanken der Götter werden übertreten, ihre Verordnungen nicht beachtet.
Das Land ist in Elend, Trauer ist an jeder Stätte. Städte und Dörfer klagen. Alle Leute insgesamt sind Frevler, der Ehrfurcht wendet man den Rücken zu.

Gegen die Herren der Stille lehnt man sich auf, Leid gibt es jeden Tag, und das Gesicht ist bestürzt über das, was geschieht.

Ich stelle meinen Mund darauf ein. Meine Glieder sind schwer, ich bin bedrückt in meinem Herzen. Es ist schmerzlich, darüber stille zu sein. Eines anderen Herz würde brechen.

Ein tapferes Herz in übler Zeit ist ein Kamerad für seinen Herrn. Ach, hätte ich doch ein Herz, das zu ertragen weiß, so würde ich mich darauf stützen, daß ich es belüde mit Worten des Elends, daß ich mein Leid zu ihm hintriebe.

Er sagt zu seinem Herzen: Komm doch, mein Herz, daß ich zu dir rede, daß du auf meine Sprüche mir antwortest, daß du mir die Dinge erklärst, die durch das Land gehen, die da im Licht stehen und offen liegen.

Ich denke nach über das, was geschieht. Der Jammer ist heute gekommen. ... alle Leute schweigen über ihn.

Das ganze Land ist in überaus schlimmem Zustand, niemand ist ohne Frevel, und alle Leute insgesamt tun Unrecht. Die Herzen sind traurig; der Befehle gibt, ist gleich dem, der sie empfängt. Aber beide nehmen den Zustand hin.
Am Morgen erhebt man sich, um es so täglich zu finden, und kein Sinn sträubt sich dagegen. Das Gestrige ist dabei wie das Heute und ähnelt ihm in vielem.

Die Gesichter der Menschen sind blöde, keiner ist weise genug, den Zustand zu erkennen, niemand empört genug, es frei auszusprechen.

Jeden Tag ist man früh auf zum Leiden. Lang und drückend ist mein Leiden; ein Elender hat keine Kraft, daß er sich bewahre vor dem, der stärker ist als er.

Es ist ein Jammer, wenn man auf das schweigt, was man hört, und es ist ein Elend, einem, der von nichts weiß, Antwort geben zu sollen.

An einer Äußerung Anstoß zu nehmen gebiert oft Feindschaft. Manches Herz nimmt die Wahrheit nicht auf. Es duldet keine Widerrede. Der Mensch liebt allein seine eigne Äußerung. Jedermann setzt Vertrauen in die eigene Beredsamkeit (?).
Rechtschaffenheit hat die Aussagen verlassen.
Ich spreche zu dir, mein Herz, damit du mir antwortest. Ein Herz, an das man sich wendet, soll nicht stumm bleiben. Siehe, die Dinge des Dieners stehen wie die des Herrn. Sehr viel ist es, was auf dir lastet.

(Altägyptische Lebensweisheit. Hrsg. v. Fr. W. Freiherr von Bissing. Zürich 1955, S. 122 f.)
Re: Die Sprüche des Cha-Schope-Re-Seneb
Andreas schrieb am 05.10.2024 um 18:12 Uhr (Zitieren)
KI

Dieser Text scheint ein Auszug aus einem altägyptischen Literaturwerk zu sein, möglicherweise aus den "Klagen des Oasenmannes" oder einem ähnlichen Text der Mittleren Reich-Periode (ca. 2055-1650 v. Chr.). Hier eine Interpretation der Hauptthemen:

Innerer Dialog: Der Sprecher führt einen Dialog mit seinem Herzen, was eine typische literarische Technik in der altägyptischen Literatur ist. Dies symbolisiert eine tiefe Selbstreflexion.
Gesellschaftlicher Verfall: Der Text beklagt einen allgemeinen Niedergang der Moral und Ordnung in der Gesellschaft. Dies ist ein häufiges Thema in der ägyptischen Literatur, besonders in Zeiten politischer Instabilität.
Umkehrung der Ordnung: Es wird eine Welt beschrieben, in der die normale Ordnung auf den Kopf gestellt ist - Unrecht herrscht, wo Recht sein sollte, die Schwachen leiden unter den Starken.
Göttliche Ordnung (Ma'at): Die Klage über die Missachtung göttlicher Gesetze deutet auf eine Störung der Ma'at hin, des fundamentalen Konzepts von Ordnung, Gerechtigkeit und kosmischer Balance in der ägyptischen Weltanschauung.
Machtlosigkeit und Frustration: Der Sprecher fühlt sich machtlos angesichts des Verfalls und ist frustriert über die scheinbare Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen.
Sehnsucht nach Weisheit und Erkenntnis: Es wird der Wunsch nach tieferem Verständnis und neuer Erkenntnis ausgedrückt, um die chaotische Situation zu bewältigen.
Kritik an Apathie: Der Text kritisiert die allgemeine Gleichgültigkeit und das Schweigen angesichts des Unrechts.
Zyklische Natur des Leidens: Die Wiederholung des Leids von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr wird betont, was auf eine pessimistische Weltsicht hindeutet.
Kommunikationsprobleme: Es wird die Schwierigkeit thematisiert, die Wahrheit zu sagen und gehört zu werden, sowie die Tendenz der Menschen, nur ihre eigenen Ansichten zu akzeptieren.

Dieser Text reflektiert typische Themen der ägyptischen Weisheitsliteratur und zeigt eine tiefe Besorgnis über den Zustand der Gesellschaft, verbunden mit dem Wunsch nach Wiederherstellung der göttlichen Ordnung. Er bietet Einblicke in die ethischen und philosophischen Überlegungen des alten Ägyptens.


Vielen Dank für die Quellenangabe. Sie haben Recht, der Text stammt tatsächlich von Cha-Schope-Re-Seneb (auch Khakheperreseneb oder Khakheperre-sonbu geschrieben), einem ägyptischen Schreiber und Priester aus der Zeit des Mittleren Reiches, vermutlich während der 12. Dynastie (ca. 1991-1802 v. Chr.).

Diese Information hilft uns, den Text besser einzuordnen und zu verstehen:

Historischer Kontext: Der Text entstand wahrscheinlich in einer Zeit politischer Unsicherheit oder sozialer Veränderungen im Alten Ägypten, möglicherweise gegen Ende des Mittleren Reiches.
Literarische Tradition: Cha-Schope-Re-Senebs Werk gehört zur Gattung der "Klagen" oder "Pessimistischen Literatur" des Alten Ägypten, zu der auch Werke wie "Die Mahnworte des Ipuwer" gehören.
Priesterliche Perspektive: Als Priester hatte Cha-Schope-Re-Seneb wahrscheinlich eine privilegierte Position in der Gesellschaft, was seine Beobachtungen und Kritik besonders interessant macht.
Innovatives Element: Der Text beginnt mit dem Wunsch, "etwas zu sagen, das noch nicht gesagt wurde", was auf ein Bewusstsein für literarische Innovation hindeutet.
Formale Aspekte: Der Text ist als ein Dialog zwischen dem Autor und seinem Herzen strukturiert, eine beliebte literarische Form im Alten Ägypten.
Thematische Tiefe: Die Reflexionen über den Zustand der Gesellschaft, die Natur der Kommunikation und die Schwierigkeit, Veränderungen herbeizuführen, zeigen eine bemerkenswerte philosophische Tiefe.
Religiöse Dimension: Als Priester bringt Cha-Schope-Re-Seneb eine religiöse Perspektive in seine Betrachtungen ein, insbesondere in Bezug auf die Missachtung göttlicher Ordnungen.
Literarischer Einfluss: Dieses Werk hatte wahrscheinlich Einfluss auf spätere ägyptische Literatur und möglicherweise auch auf benachbarte Kulturen.

Die Identifizierung des Autors unterstreicht die Bedeutung dieses Textes als wichtiges Dokument der ägyptischen Literatur und Geistesgeschichte des Mittleren Reiches. Es bietet wertvolle Einblicke in die Denkweisen und Sorgen der gebildeten Elite dieser Zeit.
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