Γραικύλος schrieb am 05.10.2024 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Andreas schrieb am 05.10.2024 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Antwort KI auf die Frage nach Parallelen in der Bibel:
Es handelt sich hierbei um Teile aus der altägyptischen Weisheitsliteratur, genauer gesagt aus der "Lehre des Amenemope". Dieses Werk enthält in der Tat einige Parallelen zu bestimmten Abschnitten der Bibel, insbesondere zu den Sprüchen Salomos im Alten Testament. Hier einige Beobachtungen zu den Parallelen:
Ethische Lehren: Beide Texte enthalten moralische Anweisungen und Lebensweisheiten.
Warnung vor Gier: Sowohl dieser Text als auch die Bibel warnen vor Habgier und ermutigen zu Zufriedenheit.
Schutz der Schwachen: Die Ermahnung, Witwen und Schwache nicht zu übervorteilen, findet sich in beiden Texten.
Respekt vor Grenzen: Die Warnung, Grenzsteine nicht zu verrücken, hat eine direkte Parallele in Sprüche 22,28: "Verrücke nicht die uralte Grenze, die deine Väter gemacht haben."
Göttliche Gerechtigkeit: Beide Texte betonen, dass unrechtes Handeln Konsequenzen hat und von Gott bestraft wird.
Wertschätzung von Bescheidenheit: Die Idee, dass ein bescheidenes Leben mit Gottes Segen besser ist als unrechtmäßiger Reichtum, findet sich in beiden Texten.
Metaphern aus der Natur: Beide Texte verwenden Bilder aus der Natur und dem Landleben, um ihre Lehren zu vermitteln.
Betonung der Rechtschaffenheit: Beide Texte legen Wert auf ein gerechtes und gottesfürchtiges Leben.
Es ist wichtig zu beachten, dass die "Lehre des Amenemope" älter ist als die meisten Teile der Bibel. Einige Gelehrte vermuten, dass die biblischen Autoren von dieser ägyptischen Weisheitsliteratur beeinflusst worden sein könnten, insbesondere bei der Verfassung der Sprüche Salomos.
Diese Parallelen zeigen, dass es in verschiedenen antiken Kulturen ähnliche ethische und moralische Vorstellungen gab, auch wenn sie in unterschiedlichen religiösen Kontexten standen.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Γραικύλος schrieb am 05.10.2024 um 14:51 Uhr (Zitieren)
Wikipedia war gestern, das Buch vorgestern; heute befragt man die KI.
Diesen neuen Trend stelle ich fest.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Aurora schrieb am 06.10.2024 um 09:40 Uhr (Zitieren)
In vielen Foren schwindet die Zahl der Anfragen und Anmeldungen.
Eine Mathematikforum hat deswegen die Prämien für fleißige Helfer gestrichen,
lächerliche 65 Euro pro Monat. Man habe starke Umsatzeinbußen und müsse sparen.
Γραικύλος schrieb am 06.10.2024 um 12:39 Uhr (Zitieren)
Seltsam ist ja, daß Ihr nicht nur bei Lektüre eines Textes (als erstes?) die KI befragt, sondern deren Antwort hier anschließend veröffentlicht.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Patroklos schrieb am 06.10.2024 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Wenn mich früher jemand gefragt hat, warum Patroklos derart pompös bestattet wird, habe ich als erstes zum Brockhaus gegriffen und den Artikel vorgelesen.
Ich bitte höflich, die KI-Welt außen vor zu lassen. Das kann nicht Sinn des Forums sein, denke ich.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 06.10.2024 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Du sprichst mir aus der Seele, Patrokle!
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Patroklos schrieb am 06.10.2024 um 19:20 Uhr (Zitieren)
Das KI-Prinzip scheint mir „relata refero“ zu sein. Hier im Forum beruht mE der Wissenszuwachscharme auf Individualität und Assoziation. Ist die Fußwaschung durch Euryklea Identifizierung des Verschollenen oder auch Präfiguration der Bibelstelle? Bitte jetzt keine KI-Antwort;)!
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Patroklos schrieb am 06.10.2024 um 20:40 Uhr (Zitieren)
Noch als Bettler wird Odysseus durch Euryklea die Fußwaschung erfahren. So ist er der „Niedere“, Euryklea die „Höhere“. Indem Christus den Jüngern die Füße wäscht, erhöht er sie zu ihrer missionarischen Aufgabe. In der späteren Liturgie (Gründonnerstag) erscheint mir die Fußwaschung wie eine Form der Erniedrigung zum Zweck der Erhöhung. Vielleicht auch der Topos der verkehrten Welt. Saturnalien?
Re: Die Lehre des Amenemope #4
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 06.10.2024 um 23:59 Uhr (Zitieren)
Ich meine, die der homerischen und der jesuanischen Erzählung gemeinsame Wurzel der Fußwaschung sei im Gastrecht zu sehen (bereits im AT 1. Ms 18,4 wird sie den Unbekannten, die sich Abrahams Zelt nähern, zuteil). Ausgeführt wurde sie wohl überwiegend von niedrig gestellten Angehörigen der familia des Gastgebers, Euryklea als Dienerin ist da keine Ausnahme.
Aber: Die Stellung dessen, der die Ehrung erfährt, ist in dieser Konstellation - nach meinem Verständnis und soviel ich weiß - unerheblich, sie erfolgt sozusagen ohne Ansehen der Person, eben auch dem Bettler gegenüber, der, sein Gastrecht in Anspruch nehmend, an den Hof Penelopes kommt. Dem ξἐνος (der Gastfreund, welcher der Fremde eben zugleich ist) gleich welchen Standes Respekt zu erweisen, eben auch mit der Fußwaschung (der ja auch eine, ursprünglich vielleicht auch die ausschlaggebende, hygienische Absicht innewohnt), ist die Pflicht des Gastgebers.
Daß die treue Euryklea ihren alten Herrn dabei wiedererkennt, scheint mir - wie die Szene mit Argos - ein Kunstgriff Homers, zu zeigen, daß einige an seinem Hof, hoch und tief, ihn nicht vergessen haben oder ihm untreu geworden sind.
Eine 'Präfiguration der Bibelstelle' kann ich darin nicht recht erblicken.
Denn die NTliche Szene richtet den Blick weg vom Empfänger der Waschung hin zu dem, der sie ausführt, wie gesagt, regelmäßig Diener, gar Sklaven: Indem Jesus (als der Herr und Meister, der so von den Jüngern angesehen und angeredet wird) diese Rolle übernimmt, gibt er das Vorbild, wie der Dienst der Jünger an- und füreinander aussehen soll: es soll sich keiner einbilden, so "hoch" zu stehen, daß er für seinen Nächsten nicht sogar die "Sklaven"arbeit des Füßewaschens übernehmen kann, als Zeichen der Demut und der Hintansetzung seiner Person.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Patroklos schrieb am 07.10.2024 um 10:41 Uhr (Zitieren)
Sehr erhellend. Ein Fall von NI, natürlicher Intelligenz.
Mit manchen Frauengestalten bei Homer ist es so eine Sache. Euryklea ist wegen Laertes’ Beziehung zu ihr eine Sklavin der besonderen Art. Beutesklavinnen sind per se hochrangig. Schliemanns Kindermädchen wählte als Decknamen „Briseis“ für ihre Tätigkeit in Griechenland.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.10.2024 um 13:07 Uhr (Zitieren)
Freut mich.
Danke auch für den Hinweis auf Eurykleas herausgehobenen Status, das hatte ich nicht bedacht, aber im Grundsatz ändert das wohl nicht so viel, sie bleibt, zumal für die Freier und die (weiten) Teile des Personals, die sich mit jenen arrangiert hat, die Dienstmagd, dazu noch alt und wenig leistungsfähig, gerade noch gut, einem Bettler die Füße zu waschen.
Ganz sicherlich trägt dieser Wechsel Züge einer Verkehrung der "natürlichen" (Standes)ordnung, vgl. auch Petrus' vehemente Weigerung, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen. Er sieht das Äußere: sein Herr und Meister bückt sich vor ihm, um ihm den Dreck von den Füßen zu waschen?! Jesu Hinweis erweitert und korrigiert seinen (und der übrigen Jünger) Blick. (Ich beziehe mich auf Joh. 13, 13-17.)
Vielleicht kennt/singt man auch in altphilologisch geprägten Kreisen noch das schöne Lied Nikolaus Hermans, wo es heißt:
Diesen Wechsel aber mit dem Wesen, wenigstens aber mit der Ausgestaltung der Saturnalien, wo die Verkehrung der Standesordnung zu einem "auf die Pauke Hauen" der "Herren für einen Tag" führt, in Verbindung zu bringen, fällt mir nicht gerade leicht. Aber das mag durchaus an mir liegen ... ;-)
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Γραικύλος schrieb am 07.10.2024 um 13:37 Uhr (Zitieren)
Die Idee der christlichen Fußwaschung sollte man m.E. mit der Idee der Saturnalien vergleichen, die Praxis der Saturnalien hingegen nur mit der Praxis der Fußwaschung.
In der Praxis schaut die Fußwaschung heute ja so aus, daß der Papst einer sorgfältig ausgesuchten Gruppe mit vorweg sorgfältig gesäuberten Füßen rein symbolisch diese wäscht, ohne daß dies irgendeinen Einfluß auf die tatsächliche Stellung des Papstes hat, während die "Gewaschenen" anschließend zurück ins Gefängnis (oder wo sonst sie herkommen) müssen.
Die Idee der Saturnalien war der Kult eines gestürzten und ins Unglück, in den Tartaros, verbannten Gottes, der insoweit dem Schicksal der Sklaven nahekam und wohl der einzige Gott war, mit dem sie sich identifizieren konnten.
Gemeinsamkeit? Aus Respekt vor den Niederen wenigstens für ein kurzes Intermezzo die Rollen tauschen? Einmal spüren, was es heißt zu dienen?
Ich hoffe, daß man diese Diskussion später unter "Die Lehre des Amenemope" noch wiederfindet. Suchen wird man sie dort gewiß nicht. Meine Empfehlung: Für ein neues Thema einen neuen Thread eröffnen.
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Patroklos schrieb am 07.10.2024 um 13:50 Uhr (Zitieren)
Es mag zwei Seiten der Saturnalien, des Zeitfestes, geben. Die verkehrte Welt, der Rollentausch, später Karneval, Narrenkönige (die jetzige Ampel als unaufhörliche Saturnalien.
Dann, weitaus wesentlicher, denke ich, die Erneuerung der Zeit, der Anbruch der Neuen Zeit, Neujahr, Saturn, der aussät.
Damit der Neue Bund, die Sohnschaft, den neuen Menschen anziehen, Taufe, Reinigung. „… durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht.“
Re: Die Lehre des Amenemope #4
Γραικύλος schrieb am 07.10.2024 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Dieser zweite Aspekt führt die Saturnalien aber noch weiter weg vom Ritus der Fußwaschung.