In der Mitte des 2. Jahrtausends
v.u.Z. kam im Vorderen Orient der Einsatz von Pferden im Krieg auf, und zwar in der Form von Streitwagen. Mutmaßlich stammte diese Sitte aus den Steppen Mittelasiens. Sehr erfolgreich waren darin die Hyksos, und es hat den Anschein, daß die Verwendung des Pferdes als Reitpferd, wie wir sie in der späteren Kavallerie kennen, noch nicht gebräuchlich war.
Auch in der mykenischen Ära Griechenlands spielten Pferde als Zugtiere von Streitwagen eine Rolle, nicht als Sitz-Unterlage für Kavalleristen. Jedenfalls gibt es keine Belege für Reiterkrieger im 12. Jhdt.
v.u.Z. Die ältesten Zeugnisse dafür stammen aus der sog. proto- und frühgeometrischen Zeit, deren Beginn man um 1000 ansetzen kann.
Wenn man sich nun den Kriegseinsatz von Pferden bei Homer anschaut, dann handelt es sich dabei anscheinend immer um Streitwagen (Patroklos, Achill). Zur Zeit, in welcher die homerischen Epen schriftlich fixiert wurden, war dies jedoch bereits eine archaische Kriegsführung. D.h. zu „Homers Zeit“ kannte man längst Reiterkrieger, und die Streitwagen waren schon lange außer Gebrauch gekommen.
Einen zweiten Aspekt bildet der Einsatz von massierter Infanterie neben den adligen, heroischen Zweikämpfern. Auch (bildliche) Belege für Soldatenreihen gibt es erst seit nach-mykenischer Zeit.
Nun fällt mir auf, daß bei Homer die Kämpfe Mann gegen Mann im Vordergrund stehen, und auch dies war für seine Ära sehr altertümlich. Da stellt sich mir allerdings eine Frage: Achill kämpft ja nicht alleine, sondern er hat seine Myrmidonen - wie auch die Penthesilea ihre Amazonen. 100? 1000? Was aber machen die eigentlich im Kampf? Mir ist nicht in Erinnerung, daß uns Homer über ihren taktischen Einsatz etwas berichtet. Es gibt sie, doch was tun sie?
(Wolfgang Weimer)