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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Hypothese (285 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.09.2024 um 15:56 Uhr (Zitieren)
Eine Tragödie kann tatsächliche Ereignisse (etwa historische) darstellen: Aischylos, Shakespeare usw.

Eine Komödie hingegen muß anscheinend fiktive Stoffe verwenden. Oft benötigt sie sogar Wunder (den deus ex machina) oder das rechtzeitige Abblenden (vor dem Beginn des Alltags in einer Liebesbeziehung).

Das Gesetz der Realität, welches es der Komödie so schwer macht, realistisch zu sein, könnte lauten: Man muß jedes Glück bezahlen – mit Verlust anderer Möglichkeiten, mit Illusionen (Ausblenden unangenehmer Wirklichkeiten) usw.

Aber warum bietet der Humor im Angesicht der traurigen Realität der Komödie keinen Stoff? Vielleicht gelingt das manchmal.

(Wolfgang Weimer)
Re: Eine Hypothese
Γραικύλος schrieb am 20.09.2024 um 22:00 Uhr (Zitieren)
Mir ist schon bekannt, daß Aristophanes eine Ausnahme darstellt - doch eine weitere fällt mir nicht ein.

Das klassische Beispiel ist Shakespeare mit seinen vielen historischen Tragödien: Sobald er ins Komische wechselt, schreibt er fiktive Stoffe.
Re: Eine Hypothese
Bukolos schrieb am 21.09.2024 um 18:55 Uhr (Zitieren)
Für eine allgemeine Hypothese ist das einbezogene Datenmaterial aus attischem Drama (bzw. dem, was von ihm überliefert ist) einerseits und Shakespeare andererseits vielleicht etwas zu gering. Weiterhin wäre zu fragen, weshalb innerhalb des attischen Dramas Aristophanes als die große Ausnahme gewertet werden soll, die historische Tragödie hingegen, die doch nach Phrynichos und Aischylos' Persern völlig von der Bühne verschwand, hingegen nicht.

Auf der anderen Seite kommt man bei Shakespeare mit dem dichotomischen Tragödie-Komödie-Schema kaum aus, und die Shakespeare-Philologie unterteilt dessen Dramen denn traditionell in drei Kategorien: Tragödien, Komödien und Historien. Die Henry-IV-Dramen um Falstaff etwa würde man ja, beschränkte man sich auf das Zweierschema, weit eher der Komödie als der Tragödie zuordnen müssen.
Re: Eine Hypothese
Γραικύλος schrieb am 21.09.2024 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Es handelt sich lediglich um eine Hypothese. Mir fallen halt viele Tragödien mit historischer Grundlage ein: von Aischylos über Shakespeare, Schiller, Puschkin ("Boris Godunow") bis hin zu Carl Zuckmayer ("Des Teufels General"), jedoch keine Komödien dieser Art. Es mag sein, daß dieser Eindruck auf unzulänglicher Kenntnis beruht. Für die Nennung einer Komödie, die auf historischen Tatsachen beruht, wäre ich dankbar.
Re: Eine Hypothese
Γραικύλος schrieb am 21.09.2024 um 23:25 Uhr (Zitieren)
Daß das Genre der historischen Tragödie in der Antike nur zwei Fälle zu bieten hat, war mir nicht bewußt.
Re: Eine Hypothese
Γραικύλος schrieb am 22.09.2024 um 00:32 Uhr (Zitieren)
Omnipräsent als komische Darstellung realer Gegebenheiten ist heute klarerweise die Satire. Aber nicht die Komödie.
Re: Eine Hypothese
filix schrieb am 22.09.2024 um 11:25 Uhr (Zitieren)
Ein Kandidat, der den historischen Bezug im Untertitel gleich vorsichtshalber ins Paradoxe wendet, wäre Dürrenmatts Romulus der Große - Eine ungeschichtliche historische Komödie in vier Akten.

Den letzten römischen Kaiser interessieren weder Volk noch Staat noch das an den Reichsgrenzen aufziehende germanische Heer, sondern nur seine Hühnerzucht. Er will sein Reich, das er für unmoralisch hält, liquidieren und erwartet deshalb tatenlos die Ankunft der Germanen und den sicheren Tod. Doch statt eines Todfeindes tritt ihm im Feldherrn Odoaker ein ebenso passionierter Hühnerzüchter gegenüber, der keinen sehnlicheren Wunsch hat, als sich zu unterwerfen, um zu verhindern, dass die Germanen endgültig ein Volk der Helden werden.




Re: Eine Hypothese
filix schrieb am 22.09.2024 um 11:40 Uhr (Zitieren)
Deine Hypothese hat ihren Grund vielleicht auch darin, dass das typische Personal der Komödie, die schlechteren Menschen, wie Aristoteles sagt, (und deren lächerliche Verhaltensweisen) nicht die Protagonisten historischer Begebenheiten sind bzw. auszeichnen, worunter ja, wenn ich dich recht verstehe, nicht beliebige Ereignisse, sondern bedeutsame, zur Ehre der Behandlung in Geschichtsbüchern gelangte Vorgänge gemeint sind. Diese grundlegende Scheidung funktioniert bis zur Entdeckung, dass das Lächerliche, Hässliche und Schlechte überall zu finden ist, auch dort, wo die Mächtigen und Bedeutenden Geschichte schreiben.
Re: Eine Hypothese
Bukolos schrieb am 22.09.2024 um 13:16 Uhr (Zitieren)
Man könnte auch, wenn schon von Zuckmayer die Rede ist, an dessen Hauptmann von Köpenick erinnern oder an Shaws Caesar and Cleopatra oder an das bereits angeführte Puschkin-Stück Boris Godunov, das ja im Nebentitel als Komödie über die wahrhafte Not des Moskoviter Staates (Комедия o настоящей беде Московскому государству) bezeichnet wird. Aber ich denke, dass man, wie gesagt, mit der Dichotomie Tragödie-Komödie in Bezug auf das elisabethanische History play und dessen Nachfolger an Grenzen stößt.
 
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