Γραικύλος schrieb am 17.09.2024 um 11:00 Uhr (Zitieren)
Re: Poena cullei #1
Γραικύλος schrieb am 17.09.2024 um 11:01 Uhr (Zitieren)
Der besseren Lesbarkeit halber ein zweiter Versuch:
Re: Poena cullei #1
Γραικύλος schrieb am 17.09.2024 um 11:02 Uhr (Zitieren)
Der besseren Lesbarkeit halber ein zweiter Versuch:
Re: Poena cullei #1
KI-Service schrieb am 17.09.2024 um 14:56 Uhr (Zitieren)
Hier ist eine Übersetzung des Textes:
Sie verfügten daher, dass Vatermörder bei lebendigem Leibe in einen Sack eingenäht und in einen Fluss geworfen werden sollten. Welch bemerkenswerte Weisheit sie damit zeigten, meine Herren! Scheinen sie nicht den Vatermörder abgeschnitten und vom gesamten Reich der Natur getrennt zu haben, indem sie ihm mit einem Schlag Himmel, Sonne, Wasser und Erde entzogen – und so sicherstellten, dass derjenige, der den Menschen getötet hatte, der ihm das Leben gab, selbst die Elemente verweigert bekam, von denen, wie es heißt, alles Leben abstammt? Sie wollten nicht, dass sein Körper wilden Tieren ausgesetzt wird, aus Furcht, die Tiere könnten durch den Kontakt mit einer solchen Monstrosität noch wilder werden. Auch wollten sie ihn nicht nackt in einen Fluss werfen, aus Angst, sein Körper könnte, ins Meer getragen, gerade jenes Element verunreinigen, durch das alle anderen Verunreinigungen angeblich gereinigt werden. Kurz gesagt, es gibt nichts so Billiges oder so allgemein Verfügbares, das sie Vatermördern zugestanden hätten. Denn was ist so frei wie die Luft für die Lebenden, die Erde für die Toten, das Meer für die von den Wellen Umhergeworfenen oder das Land für die an die Ufer Gespülten? Doch diese Menschen leben, solange sie können, ohne aus der freien Luft atmen zu können; sie sterben, ohne dass Erde ihre Knochen berührt; sie werden von den Wellen umhergeworfen, ohne je gereinigt zu werden; und am Ende werden sie an Land gespült, ohne dass ihnen selbst auf den Felsen im Tod eine Ruhestätte gewährt wird.
Analyse:
Dieser Text stammt aus Ciceros Rede "Pro Sexto Roscio Amerino" (Für Sextus Roscius aus Ameria), die er 80 v. Chr. hielt. In dieser Rede verteidigt Cicero Sextus Roscius gegen den Vorwurf des Vatermordes.
Cicero beschreibt hier die römische Strafe für Vatermord, bei der der Verurteilte in einen Sack eingenäht (üblicherweise mit einem Hund, einem Hahn, einem Affen und einer Schlange) und in den Tiber oder ins Meer geworfen wurde. Seine Rhetorik stellt diese Strafe als eine Form kosmischer Gerechtigkeit dar.
Hauptpunkte in Ciceros Argumentation:
Trennung von der Natur: Die Strafe schneidet den Vatermörder von allen natürlichen Elementen ab - Himmel, Sonne, Wasser und Erde.
Verweigerung der Lebensquellen: Dem Verbrecher werden die Grundlagen des Lebens selbst entzogen.
Schutz der Tiere: Der Körper wird nicht den Tieren ausgesetzt, um zu verhindern, dass diese durch den Kontakt mit solch einer "Monstrosität" noch wilder werden.
Bewahrung der Reinheit: Der nackte Körper wird nicht direkt ins Wasser geworfen, um das Element nicht zu verunreinigen, das alles andere reinigt.
Absolute Entbehrung: Dem Vatermörder wird selbst das Grundlegendste und frei Verfügbare verwehrt.
Fortdauer der Strafe: Selbst im Tod wird dem Vatermörder eine letzte Ruhestätte verweigert.
Ciceros Argumentation präsentiert diese Strafe als eine Form poetischer Gerechtigkeit. Der Vatermörder, der das Leben desjenigen genommen hat, der ihm das Leben gab, wird im Gegenzug vollständig von den Quellen des Lebens abgeschnitten. Die Kunstfertigkeit des Redners zeigt sich darin, wie er dieses Argument aufbaut und sich auf Naturrecht und kosmisches Gleichgewicht beruft, um eine im Grunde äußerst grausame Hinrichtungsform zu rechtfertigen.
Diese Passage demonstriert Ciceros rhetorische Meisterschaft. Er nutzt lebendige Bilder und logische Progression, um die Strafe nicht nur als rechtliche Sanktion, sondern als Wiederherstellung der natürlichen Ordnung darzustellen. Es ist ein faszinierender Einblick in römisches Rechtsdenken, religiöse Vorstellungen und die Macht der Rhetorik bei der Formung der öffentlichen Meinung.
Clau
Re: Poena cullei #1
Γραικύλος schrieb am 17.09.2024 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Das ist eine der Fragen, denen ich in dieser Folge von insgesamt 10 Texten nachgehe: Wo ist das überliefert? In den vorliegenden drei Texten mit keinem Wort.