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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Charakterisierung der antiken Moral (193 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.09.2024 um 15:06 Uhr (Zitieren)
• Sie berücksichtigt Frauen und Sklaven nicht, nur Mitbürger oder Standesgenossen. Aber wo sie Mitgefühl für ‚die Sterblichen’ ausdrückt – also im Kontrast zu den Göttern – müßte sie, zumindest implizit, auch Frauen und Sklaven einschließen. Dabei spricht für die Frauen, daß alle Männer von ihnen abstammten, und für die Sklaven, daß im Prinzip jeder Bürger zu einem solchen werden kann.
• Mitgefühl löst der Schutzsuchende aus, der Hilflose (Priamos gegenüber Achilleus, Aias gegenüber Odysseus).
• Es fehlt eine Entsprechung zur spezifisch christlichen Form des Schuldbewußtseins, der Sündhaftigkeit. Zwar ist man dem Anderen, auch dem Untertanen und selbstverständlich den Göttern, etwas schuldig; zwar kann man gegen diese Schuldigkeit verstoßen – aber dies ist eher Verhängnis: Dummheit, Pech, Fehlkonditionierung (Patroklos, Ödipus); kein Resultat eines freien Willens gegenüber Gott.

(Wolfgang Weimer)
Re: Zur Charakterisierung der antiken Moral
Johannes schrieb am 14.09.2024 um 16:53 Uhr (Zitieren)
Aus Senecas 47. Brief spricht schon Mitleid für die Sklaven, oder?

Die Frage ist: Wann und wo entstand das Mifgefühl in der Evolution? Was waren die Auslöser?
Nächstenliebe, ein Überlebensvorteil für entsprechende Gesellschaften?
Angenehmeres Zusammenleben mit weniger Stress?

Wie frei ist der Wille, wenn man alle Faktoren zu berücksichtigen versucht?
Genetik, Sozialisation, Zufälle und Umstände, die da Leben verändern können ?

Was meinst du mit freiem Willen gegenüber Gott?
Re: Zur Charakterisierung der antiken Moral
Γραικύλος schrieb am 14.09.2024 um 17:17 Uhr (Zitieren)
Seneca ist die extreme und singuläre Position. Daß sie in der Konsequenz bestimmter Annahmen liegt, habe ich ja geschrieben.

***

Gott hat den Menschen mit einer Wahlmöglichkeit, dem freien Willen, beschenkt. Diesen Gedanken finde ich erstmals bei Augustinus: "De libero arbitrio".
Damit wird der Menschen in einem ganz anderen Sinne gegenüber Gott schuldig, als wenn er einer Verblendung, einem Verhängnis unterliegt, etwa der Hybris.
Re: Zur Charakterisierung der antiken Moral
Johannes schrieb am 14.09.2024 um 17:32 Uhr (Zitieren)
Gott hat den Menschen mit einer Wahlmöglichkeit, dem freien Willen, beschenkt.

Wann hat er das wo wie historisch nachweisbar gemacht?
Die Paradiesgeschichte ist ein Mythos, den man religonspsychologisch
und psychoanaltisch interpretieren muss.
Es geht dabei wohl auch um die Subjekt-Objekt-Spaltung im menschl. Bewusstsein.
Woher kommt die Hybris?
Ab wann ist sie nachweisbar?
Bei welchen Personengruppen mit welchen Interessen und Motivationen?
Re: Zur Charakterisierung der antiken Moral
Γραικύλος schrieb am 14.09.2024 um 20:25 Uhr (Zitieren)
Ich sehe das so: Die Annahme einer Freiheit der Wahl wird nahegelegt durch eine Eigentümlichkeit des biblischen Gottes, welche den griechischen Göttern fremd ist - er gibt seinen Anhängern moralische Gebote. Nun impliziert ein Gebot die Möglichkeit, daß der Adressat ihm folgt oder daß er es nicht tut. Dies ist seine Wahl.
Tut er es nicht, dann treffen ihn Schuld und Strafe.

Nur schwer kann ich mir einen gerechten Gott vorstellen, welcher nicht davon ausgeht, daß der Sünder eine Wahl getroffen hat.

Falls Du Gott nicht mit Strafe in Verbindung bringen möchtest: ich gehe vom biblischen Gott aus.
 
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