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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Übersöhne (275 Aufrufe)
filix schrieb am 26.08.2024 um 16:19 Uhr (Zitieren)
sua praeferri quamquam vetat acta paternis,
libera fama tamen nullisque obnoxia iussis
invitum praefert unaque in parte repugnat:
sic magnus cedit titulis Agamemnonis Atreus,
Aegea sic Theseus, sic Pelea vicit Achilles;
denique, ut exemplis ipsos aequantibus utar,
sic et Saturnus minor est Iove: Iuppiter arces
temperat aetherias et mundi regna triformis,
terra sub Augusto est; pater est et rector uterque

Obschon dieser verbietet, seine Leistungen über die seines Vaters zu stellen, bevorzugt ihn dennoch die freie Fama, die keinen Befehlen hörig ist, auch gegen seinen Willen und widerstrebt ihm nur in diesem einzigen Punkt. So steht der große Atreus den Ruhmestiteln Agamemnons nach, so hat Theseus seinen Vater Aegeus übertroffen, so Achilles seinen Vater Peleus, schließlich, um Beispiele, die sich an Würde mit ihnen messen können, zu gebrauchen: So ist auch Saturn geringer als luppiter. luppiter beherrscht die Höhe des Athers und die drei Weltbereiche, die Erde ist Augustus untertan; Vater und Lenker sind beide.

Ovid: Met. XV, 852f. Übersetzung: M. v. Albrecht


Abgesehen von der Funktion der Verse als Huldigung an Augustus scheint mir dies ein unserer Gegenwart sehr ferner Gedanke. Nicht, dass dies nicht geschähe, aber es ist kein populärer Teil des psychologisch-biographischen Narrativs unserer Identität. Heutzutage scheint der Fokus einerseits mehr auf den Herausforderungen zu liegen, die Kinder im Schatten ihrer erfolgreichen oder dominanten Eltern erleben. Die Idee des "Übervaters" und die damit verbundenen Erwartungen und Probleme stehen im Zentrum, von ihnen handeln moderne Erzählungen und psychologische Studien untersuchen ihre Auswirkungen, Ratgeber aller Art arbeiten an ihrer Überwindung (aber gewöhnlich nicht durch Übertreffen, sondern die Entwicklung eines davon unabhängigen Selbstbildes). Andererseits beschäftigt uns das gänzliche Fehlen einer solchen Figur in einer, wie es seit Mitscherlich in zahlreichen Büchern heißt, vaterlosen Gesellschaft, der solche traditionellen Orientierungsfiguren abhanden kommen.

Re: Übersöhne
Γραικύλος schrieb am 26.08.2024 um 16:59 Uhr (Zitieren)
Ist denn der elterliche Wunsch, "die Kinder sollen was Besseres werden", also über die Niveau ihrer Eltern hinaus gelangen, den ich noch gut kenne, obsolet geworden?
Hängt das mit den zunehmenden Ein-Kinder-Ehen zusammen, bei denen dann alle Wünsche, Ideale und Befürchtungen auf den Einzigen projiziert werden (Helicoptereltern), zusammen?
Auf einem Einzelkind lastet m.E. ein größerer Druck.
Re: Übersöhne
Γραικύλος schrieb am 26.08.2024 um 17:05 Uhr (Zitieren)
Die Sammlung antiker Beispiele ist schon beeindruckend, allerdings von mythischer Art.
Historisch? Philipp und Alexander, ja. Sokrates und sein Vater, Aischylos, Sophokles, Euripides, Platon und Aristoteles - desgleichen.
Allerdings hakt die Sache, wenn man nach deren Kindern fragt: allesamt unbedeutend und weitgehend unbekannt.
Es handelt sich dabei ja um Generationsketten, und wenn in einer dieser Ketten ein berühmtes Individuum auftritt, dann hat es in der Regel nicht nur einen minderen Vater, sondern auch mindere Kinder.
Re: Übersöhne
filix schrieb am 26.08.2024 um 17:21 Uhr (Zitieren)
Obsolet vielleicht nicht, aber es steht in meinen Augen doch eindeutig der Wunsch (der natürlich auch als Druck erlebt werden kann), sie mögen erfolgreich auf eigenem Gebiet und glücklich werden im Vordergrund. Die direkte Konkurrenz wird als psychologisch vergiftet gemieden, sie ist kein Ideal der Selbstfindung, wir glauben auch gar nicht an die Möglichkeit eines echten Siegs, wir beschäftigen uns vorwiegend mit dem Scheitern solcher Ambitonen und lieben Geschichten der im langen Schatten ihrer erfolgreichen oder noch im Negativen übermächtigen Eltern Gescheiterten. Dass die Erzählung in der Kette der Generationen sich verliert, stimmt natürlich, aber das war nicht mein Punkt, es ging mir um diese punktuelle Feier als Übersohn, die mir nach wie vor befremdlich schien. So priese doch heute keiner seine Kinder an.
Re: Übersöhne
filix schrieb am 26.08.2024 um 17:21 Uhr (Zitieren)
*scheint
Re: Übersöhne
Γραικύλος schrieb am 26.08.2024 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Das klingt heute befremdlich, ja.

Nur als kleiner Beitrag: Mich hat die Stelle im "Aias" des Sophokles beeindruckt, an der Tekmessa zu ihrem Sohn sagt:
"ὦ παῖ, γένοιο πατρὸς εὐτυχέστερος,
τὰ δ' ἄλλ' ὁμοῖος.

Mein Kind, werde glücklicher als dein Vater,
aber sonst ihm ähnlich."

(V. 550 f.)

Das scheint mir gut gesagt für eine Frau, die ihren Sohn und ihren Mann liebt, auch wenn dieser gescheitert ist.
Wäre Aias plus Glück ein Übersohn?
Re: Übersöhne
filix schrieb am 26.08.2024 um 23:06 Uhr (Zitieren)
Sagt das nicht Aias zu seinem Sohn, den er zwingt, das vergossene Blut anzusehen, um so gleich einmal durch die harte Schule des Vaters zu gehen, um ihm ähnlich zu werden?
Re: Übersöhne
Γραικύλος schrieb am 27.08.2024 um 00:11 Uhr (Zitieren)
Du hast recht, es ist nicht Tekmessa, sondern Aias. (Tekmessa sagt unmittelbar vorher etwas.) Dann entfällt meine Deutung.
 
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