Die Lektüre von Daniel Mendelsohn: "Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich", München ³2019, hat mir einige interessante Gedanken zur "Odyssee" nahegebracht:
- Die "Odyssee" ist natürlich auch ein Epos über eine Ehe. Mendelsohn weist darauf hin, daß die Ehe von Peneleope und Odysseus zwei anderen Ehen als Kontrast gegenübergestellt wird: die von Agamemnon und Klytemnästra (von deren Ende Odysseus bei seinem Besuch in der Unterwelt erfährt, bei der Agamemnon ihm erfahrungsgesättigt ans Herz legt, seiner Frau nicht zu trauen, sondern heimlich heimzukehren - ein Rat, den Odysseus beherzigt) sowie die von Menealos und Helena (die Telemachos in Sparta kennenlernt, wobei deutlich wird, daß Helena ihren Mann immer noch belügt, indem sie versichert, die Episode mit Paris schon längst, schon in Troja bereut zu haben, obwohl sie doch noch bei der Einnahme der Stadt versucht hat, die Griechen im hölzernen Pferd hereinzulegen). Zwei negative Gegenbeispiele also.
- Während wir in der '"Ilias" den Achill kennenlernen als Helden, der lieber ein kurzes, aber ruhmvolles Leben führen will als ein langes ohne Ruhm, sagt Achill bei seiner Begegnung mit Odysseus in der Unterwelt das genaue Gegenteil. "So als würde die
Ilias zur
Odyssee sagen: Okay, du hast gewonnen." (Mendelsohn,
a.a.O., S. 204)