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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Cicero über Bosheit in der politischen Agitation (207 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.08.2024 um 00:04 Uhr (Zitieren)
M. Cicero, De oratore II 263-268:
[...] 263. Besonders schmücken solche Worte die Rede, welche gegensätzlich aufeinander bezogen sind; eben diese Art ist oft auch witzig. Als z.B. der bekannte Servius Galba dem Volkstribun Lucius Scribonius seine Freunde als Richter vorschlug und Libo sagte: „Wann endlich, Galba, wirst du dein Triclinium verlassen?“, antwortete er: „Wenn du das fremde Schlafzimmer verlassen hast.“ Davon unterscheidet sich auch nicht sehr, was Glaucia dem Metellus sagte: „Eine Villa hast du in Tibur, einen Viehstall auf dem Palatin [Villam in Tiburti habes, cohortem in Palatio].“

264. Die auf Formulierungen beruhenden Arten des Witzes habe ich nun, wie ich glaube, besprochen; eine größere Zahl gibt es von denen, die auf Sachen beruhen, und sie werden, wie ich vorhin sagte, mehr belacht. Zu diesen gehört die Erzählung, eine freilich schwierige Sache. Man muss nämlich etwas ausdrücken und vor Augen stellen, was sowohl wahrscheinlich erscheint – denn das ist kennzeichnend für die Erzählung -, als auch – was für das Lächerliche kennzeichnend ist – ein wenig hässlich ist. [...]

265. Auch aus der Geschichte zieht man manches Ereignis heran. Als z.B. Sextius Titius sagte, er sei eine Kassandra, erwiderte Antonius: „Ich könnte Leute nennen, die für dich der Oileus-Sohn Aias waren.“ Weiter kann man von einer Ähnlichkeit ausgehen, die entweder ein Gleichnis enthält oder einen bildhaften Vergleich. Ein Gleichnis brachte z.B. einst jener Gallus gegen Piso: Er hatte gesagt, dieser habe dem Präfekten Magius unermesslich viel Geld gegeben; als Scaurus das mit der Armut des Magius zurückwies, sagte er: „Du irrst dich, Scaurus; ich sage nämlich nicht, Magius habe es aufbewahrt, sondern er habe es, so als lese er unbekleidet Nüsse auf, in seinem Bauch weggetragen.“ So sagte auch der alte Marcus Cicero, der Vater dieses unseres vortrefflichen Freundes: „Unsere Landsleute sind den syrischen Sklaven ähnlich; je besser einer Griechisch kann, desto weniger taugt er [ut quisque optime Graece sciret, ita esse nequissimum].“

266. Sehr lacht man auch über bildhafte Vergleiche, die man gewöhnlich für eine Missgestalt oder irgend ein körperliches Gebrechen hernimmt, indem man die Ähnlichkeit mit einem noch etwas Hässlicheren herausstellt. So sagte ich z.B. zu Helvius Mancia: „Ich werde schon zeigen, von welcher Art du bist.“ Als jener erwiderte: „Zeige es mir bitte!“ zeigte ich mit dem Finger auf das Bildnis eines Galliers auf dem Kimbern-Schild des Marius bei den neueren Buden: Er war verwachsen, streckte die Zunge heraus und hatte Hängebacken. Gelächter erhob sich; nichts schien dem Mancia ähnlicher. So war es auch bei dem Zeugen Pinarius, der das Kinn beim Reden schief zog; ich forderte ihn auf, wenn er etwas sagen wolle, solle er erst dann sprechen, wenn er die Nuss geknackt habe.

267. Dazu gehört auch, was man zum Zweck der Unter- oder Übertreibung als außergewöhnlich, ja unglaublich herausstreicht. So sagtest beispielsweise du, mein Crassus, in einer Volksversammlung, Memmius komme sich selbst so groß vor, dass er, wenn er zum Forum hinabgehe, am Fabius-Bogen den Kopf einziehe. Von dieser Art ist auch der Ausspruch Scipios bei Numantia: Als er mit Gaius Metellus Ärger hatte, soll er gesagt haben, wenn dessen Mutter einen fünften Sohn zur Welt brächte, würde sie einen Esel gebären [si quintum pareret mater eius, asinum fuisse parituram].

268. Geistreich ist auch die nachdrucksvolle Andeutung, wenn durch eine Kleinigkeit und oft nur durch ein Wort ein zunächst völlig unklarer Sachverhalt aufgeklärt wird. Als z.B. Publius Cornelius, ein, wie man glaubte, habgieriger und räuberischer Mensch, aber ein ausnehmend tapferer und tüchtiger Feldherr, dem Gaius Fabricius dafür dankte, dass er ihn zum Konsul gemacht habe, obwohl er ihm feindlich gesinnt sei, und das in einem wichtigen und schweren Krieg, erwiderte dieser: „Du brauchst dich bei mir nicht zu bedanken, wenn ich lieber ausgeplündert als verkauft werden wollte.“ Ähnlich sagte Africanus zu Aselllus, als dieser ihm jenes unglückselige Sühneopfer vorwarf: „Wundere dich nicht! Derjenige nämlich, welcher dich aus dem Stand der Ärarier wieder herausgeholt hat, vollzog das Sühneopfer und opferte einen Stier.“

(Cicero: Über den Redner / De oratore. Hrsg. v. Harald Merklin. Ditzingen 1976, S. 258-261)
Re: Cicero über Bosheit in der politischen Agitation
Γραικύλος schrieb am 07.08.2024 um 00:10 Uhr (Zitieren)
Aselllus --> Asellus
 
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