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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Pozzo! Pozzo? (384 Aufrufe)
Patroklos schrieb am 06.08.2024 um 21:56 Uhr (Zitieren)
Ein Freund verweist mich auf den eindrucksvollen, immensen Brunnen in Orvieto [urbs vetus], den Pozzo di San Patrizio. Hier der schöne englische Wiki-Eintrag.
https://en.wikipedia.org/wiki/Pozzo_di_San_Patrizio?wprov=sfti1#
Mich interessiert „Pozzo“, was zurückgeht auf puteus, Wurzel pu bzw purus, putus, purgo.
Die zweite Wurzel bezieht sich auf Höhlung in der Erde, vermute ich, „ a pit for storing grain in“. (L&S) Im Italienischen heißt Pozzo auch Vorratsgrube, archäologisch.
Der Zweck, die Form führt zu πιθος (Hesiod), also dem bekannten Vorratsgefäß. Hieran erinnert die „Büchse“ der Pandora, die ein πιθος war, bis Erasmus die Umdeutung in πυξις vornahm, also Kästchen, Buchsbaum/Büchse/box. Darüber berichten großartig Dora und Erwin Panofsky, die freilich nicht an der Etymologie interessiert waren. Ihnen verdanken wir viel, auch den Hinweis, dass allein im Italienischen die „Büchse“ ein Vaso geblieben ist.
Ratlos bin ich allerdings nach wie vor, warum Samuel Beckett diese miese Figur in „Warten auf Godot“ „Pozzo“ genannt hat.
Re: Pozzo! Pozzo?
Γραικύλος schrieb am 06.08.2024 um 23:11 Uhr (Zitieren)
Von Erasmus stammt die "Büchse", das wußte ich nicht.

Beckett hat ja schon alle Fragen nach der Bedeutung von "Godot" abgewiesen.
Re: Pozzo! Pozzo?
Patroklos schrieb am 07.08.2024 um 08:52 Uhr (Zitieren)
Pandora‘s Box. 1956

Erwin Panofsky was nicknamed 'Pan' and 'Pan-Dora' became a nickname for the couple. In 1950 "the couple resolved to accept the epithet as literary fate", and together embarked on a study of Pandora's box as a mythical symbol. (Engl. Wiki)
Re: Pozzo! Pozzo?
Andreas schrieb am 07.08.2024 um 11:29 Uhr (Zitieren)
KI-Befragung liefert:

Mögliche Gründe für den Namen Pozzo:

Symbolik des Namens:
Pozzo bedeutet „Brunnen“ auf Italienisch: Ein Brunnen kann symbolisch für eine Quelle stehen, etwas Tiefes und möglicherweise Unergründliches. In Becketts Werk könnte dies auf die tiefgründige und manchmal unergründliche Natur der menschlichen Existenz und des Wartens hinweisen.
Tiefe und Leere: Ein Brunnen kann auch als ein Symbol für Leere oder ein Loch im Boden verstanden werden. Dies könnte die Leere und Hoffnungslosigkeit darstellen, die die Charaktere im Stück erleben.

Klang und Assoziation:
Phonetische Eigenschaften: Beckett war dafür bekannt, sich intensiv mit der Klangstruktur seiner Texte zu beschäftigen. Der Name Pozzo hat einen kräftigen und prägnanten Klang, der gut in den Dialogen des Stücks wirkt.
Assoziationen mit Macht und Kontrolle: Pozzo ist eine dominante Figur im Stück, die eine Machtposition gegenüber seinem Sklaven Lucky einnimmt. Der Name könnte auch an autoritäre und herrschende Charaktere erinnern.

Literarische und historische Bezüge:
Italienische Anklänge: Beckett verbrachte viel Zeit in Frankreich und war ein Kenner der europäischen Literatur. Der italienische Name könnte auf eine tiefere kulturelle oder literarische Anspielung hinweisen, die Becketts Leserschaft zum Nachdenken anregen soll.

Literaturhistorische Kontexte

Existentialismus und Absurdität: Beckett ist oft mit dem Existentialismus und dem Theater des Absurden in Verbindung gebracht worden. Der Name Pozzo, wie auch die anderen Namen im Stück, kann als Teil dieses größeren literarischen Stils verstanden werden, der die Sinnlosigkeit und Absurdität des menschlichen Daseins thematisiert.

Interpretationen

Pozzos Rolle im Stück: Pozzo repräsentiert eine autoritäre Figur, die Kontrolle und Macht ausübt, aber auch selbst von Unsicherheit und Verfall bedroht ist. Sein Name könnte darauf hinweisen, dass diese Macht auf einem instabilen Fundament steht, ähnlich wie ein Brunnen, der sowohl eine Quelle des Lebens (Wasser) als auch eine potenzielle Gefahr (Tiefe) darstellt.

Insgesamt bleibt die genaue Bedeutung des Namens Pozzo offen für Interpretation, was ein charakteristisches Merkmal von Becketts Werk ist. Er lädt das Publikum dazu ein, eigene Bedeutungen und Assoziationen zu entwickeln.


Eine andere KI dazu:
Die Namensgebung in Samuel Becketts Werken, insbesondere in "Warten auf Godot", wo der Charakter Pozzo auftaucht, ist oft Gegenstand literarischer Interpretationen. Hier einige mögliche Gründe, warum Beckett den Namen Pozzo gewählt haben könnte:

Klangliche Qualität: Der Name Pozzo hat eine starke klangliche Präsenz, die gut zu der dominanten und lauten Persönlichkeit der Figur passt.
Italienischer Bezug: "Pozzo" bedeutet auf Italienisch "Brunnen". Dies könnte symbolisch für die Tiefe oder Dunkelheit stehen, die der Charakter repräsentiert.
Anspielung auf "im Brunnen sitzen": Dies könnte metaphorisch für die ausweglose Situation stehen, in der sich die Charaktere befinden.
Kontrast zu anderen Namen: Der Name unterscheidet sich deutlich von den anderen Hauptfiguren (Vladimir, Estragon, Lucky), was die Andersartigkeit des Charakters unterstreicht.
Historischer Bezug: Möglicherweise eine Anspielung auf Andrea del Pozzo, einen italienischen Maler und Architekten, bekannt für seine Arbeiten mit Perspektive und Illusion.
Absurdität: Wie viele Elemente in Becketts Werk könnte die Wahl des Namens auch einfach absurd und ohne tiefere Bedeutung sein, was zum Gesamtthema des Absurden Theaters passt.

Es ist wichtig zu beachten, dass Beckett selbst selten direkte Erklärungen für seine künstlerischen Entscheidungen gab. Die Interpretation bleibt daher oft dem Leser oder Zuschauer überlassen.
Re: Pozzo! Pozzo?
Γραικύλος schrieb am 07.08.2024 um 14:31 Uhr (Zitieren)
Was hätte Beckett zu einem solchen Erklärungsversuch gesagt?
Mir ist noch seine unwirsche Antwort auf die Frage, ob er mit "Godot" "Gott" gemeint habe, in Erinnerung: "Wenn ich Gott gemeint hätte, hätte ich Gott gesagt!"

Ich vermute, er mochte solche Spekulationen nicht, sondern hat sich auf die unmittelbare Wirkung seiner Worte und Namen verlassen.
Re: Pozzo! Pozzo?
filix schrieb am 07.08.2024 um 15:14 Uhr (Zitieren)
Potzblitz, Andrea del Pozzo, aber kein Dante.

Das Inferno stellt schließlich einen pozzo dar (Come noi fummo giù le pozzo scuro ...) - keine kühne Abschweifung über Becketts Vorliebe für danteske zylindrische Architekturen (Brunnenschächte), seine lange Beschäftigung mit den vor allem den ersten beiden Büchern der Commedia (man denke im Großen an Le dépeupleur, den im Dt. zum Verwaiser gewordenen Entvölkerer, im Kleinen an Nagg und Nell, die beiden Alten im Endspiel, in ihren Tonnen, der Brunnen in Orvieto ist ein Wiedergänger der Legende, wonach Christus St. Patrick den Eingang zum Purgatorium gezeigt haben)?

Kein Hinweis auf Joseph Pozzo di Borgo, den in Becketts Paris umtriebigen Faschisten, Präsident des Institut anti-marxiste und Feuerkreuzler von altem Adel (dessen Name travestiert vielleicht in Finnegans Wake wiederhallt als Porto da Brozzo), passend zum Charakter eines sadistischen Landbesitzers und Kollaborateurs wie in Pierre Temkines historischer Deutung als Verarbeitung auch der Judenverfolgung?

Keine Analyse des Missvernehmens im Stück selbst C'est Pozzo ou Bozzo? - aus der Beule lässt sich doch etwas machen! Resonieren nicht in dieser Herr-Knecht-Posse weiters sein Reichtum (avere un pozzo di quattrini) und dass er nicht ganz bei Trost also pazzo ist (Je deviens fou ... Il devient fou. C'est dégoûtant)?

Was die Zurückweisung von Interpretationen angeht, bleibt Beckett gerne unverbindlich doppeldeutig (Quite alien to me, but you are welcome), hat er nicht von Ziehvater Joyce gelernt, dass man den Philologen Arbeit für ein paar Jahrhundert geben muss statt sie zu sabotieren?

Kurz: Solo un pazzo vede un pozzo in questa pazzanghera del pappagallo.
Re: Pozzo! Pozzo?
Patroklos schrieb am 07.08.2024 um 15:28 Uhr (Zitieren)
Meine Verehrung.
Als Pozzoist frage ich, ob das drittletzte Wort nicht pozzanghera heißen möchte.
Re: Pozzo! Pozzo?
filix schrieb am 07.08.2024 um 15:45 Uhr (Zitieren)
In einer Parallelwelt wollte der Verfasser die Papageienpfütze mit dem Narren kontaminieren, in dieser hat er bloß einen (weiteren) Tippfehler zu verantworten.
Re: Pozzo! Pozzo?
Patroklos schrieb am 07.08.2024 um 16:56 Uhr (Zitieren)
Ich staune. Die Tippfehlervarianz ist hier groß. PXzzo. Statt X können alle Vokale sich einfügen. Völlig verschiedene Bedeutungen und Etymologien.
Re: Pozzo! Pozzo?
Johannes schrieb am 07.08.2024 um 17:46 Uhr (Zitieren)
Ich vermute, er mochte solche Spekulationen nicht, sondern hat sich auf die unmittelbare Wirkung seiner Worte und Namen verlassen.

Ich denke, er wollte die Frage provozieren und v.a. die naheliegende Antwort "Gott".

Meine ganz simple Interpretation ist die im Anschluss an Hildegard von Bingen (so las ich es zumindest einmal):
Gott hat nur unsere Hände, die Welt zu verändern.
Er selber greift nicht ein außer in Form von Liebe, will sagen, dort wo Menschen
selbstlos und authentisch lieben und liebevoll = biophil handeln.
Christen sprechen dann vom Wirken des Hl. Geistes.
Von daher soll man auch das Christus-Ereignis verstehen.
Jesus wollte in allen Problemen den Weg der Liebe aufzeigen
zur Lösung als den einzig möglichen um den evolutionären Realitätsdruck
abzumildern, womit er krachend gescheitert ist.
Je liebesfähiger wir werden, desto mehr lösen sich bestimmte und am Ende alle Probleme auf.
Eine Utopie sicher, aber auch zugleich ein Hinweis auf die Richtung, die zur "Erlösung" führt, die innerweltlich unerreichbar ist, eben utopisch.
Doch auch hier gilt: Am Anfang vieler radikaler Veränderungen standen Utopien und das Glaube an das scheinbar Unmögliche, das möglich wurde (Mondlandung, Ausrottung von Krankheiten, Wohlstand für immer mehr Menschen mit all seinen Folgen.
Hätte die Menschheit auf den so verstandenen
Godot-Gott gewartet, würde sie heute noch in Höhlen wohnen.
Inzwischen beginnen wir den hohen Preis der Zivilisation zu zahlen,
der überall spürbar ist nicht nur im Klimabereich.
Wenn Heidegger einst sagte, nur ein Gott könne uns noch retten,
hat er sicher nicht den christlichen Kirchen-Gott gemeint, sondern den Geist Gottes,
der in jeder Form von Liebe wirksam wird und weht, wo er will. So zumindest die christl. Sichtweise, die gewiss angreifbar ist bei genauerem Blick auf die Beschaffenheit der Welt mit ihrer sinnlosen, chaotischen Grausamkeit des Fressens und Gefressen-werdens nur um eines Überlebens um des Überlebens willen ohne erkennbares Ziel, was
kein Wunder ist, wenn jede Entwicklung zufallsgesteuert und damit ein Zufallsprodukt ist, wie auch das mebschliche Gehirn.
Beckett war sich bewusst, wenn die Menschheit weiterkommen will, dann nur aus eigener Willens-und Schaffenskraft, hoffend wider alle Hoffnung.

 
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