Rezensentin Melanie Möller wird rasch klar, dass das Buch der Religionswissenschaftlerin Renate Schlesier eine Provokation ist. Mit der Vorstellung vom Gelage als rein männlichem Spaß räumt die Autorin gründlich auf, staunt Möller. Unter Verweis auf zahlreiche Bild- und Textdarstellungen gelingt der Autorin laut Rezensentin ein anderer Blick auf das frühgriechische Symposion und eine Widerlegung puritanischer Thesen. Frauen waren poly-und homoerotisch unterwegs, Hetären gleichberechtigte Teilnehmerinnen von Gelagen und Sappho eine "große Entertainerin" ohne brave Mädchenschule!
Re: Neuerscheinung
Bukolos schrieb am 27.07.2024 um 19:26 Uhr (Zitieren)
Der aber nur fällig wird, wenn man auf ein physisches Exemplar nicht verzichten will. Das E-Book wird im Open Access bereitgestellt:
Danke.
Wieso gibt es das Buch auch sofort gratis?
Wer sollte es noch kaufen?
Ob auch das ein Grund ist:
Die Autorin hat über ein interessantes Thema promoviert:
Von 1974 bis 1979 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU, wo sie 1980 im Fach Religionswissenschaft mit einer Arbeit Konstruktionen der Weiblichkeit bei Sigmund Freud promovierte.
filix schrieb am 28.07.2024 um 11:57 Uhr (Zitieren)
Weil De Gruyter Brill durchwegs edel denkt und handelt, gerade auf den Nebenschauplätzen der Wissensproduktion humanistisches Mäzenatentum beweist? Will sagen: in diesen Hybridformen bezahlt gewöhnlich die Autorin (bzw. mögliche Fördergeber) die kostenlose digitale Form, den Festkörper kaufen Universitäten, Museen und Forschungseinrichtungen (mit Steuergeld) und ein paar versprengte Papyrophile, vor allem in Geistes- und Sozialwissenschaften gehört zur Auslegung des Sammlungsverständnisses immer noch der Ankauf auch gedruckter Bücher, eine E-only-Politik hat sich aus verschiedenen Gründen bisher nicht durchgesetzt.
Re: Neuerscheinung
Andreas schrieb am 28.07.2024 um 13:18 Uhr (Zitieren)
Oder weil es sich der Verlag leisten kann, so ein wenig Werbung macht und das Buch ohnehin nur wenige Käufer findet??
Wieviele, schätzt du, werden bei solchen Themen abgesetzt (weltweit)?
Gibt es dazu Datenmaterial?
Re: Neuerscheinung
filix schrieb am 28.07.2024 um 13:42 Uhr (Zitieren)
Das sagt nun natürlich nicht, welche Konditionen hier genau ausgehandelt wurden, verdeutlicht jedoch das Prinzip. Bei solchen Publikationen geht es gewöhnlich um wenige hundert Exemplare. Welche Rolle in der Kundengewinnung sollte Werbung im klassischen Sinne angesichts der Struktur dieses Marktes spielen?
Re: Neuerscheinung
Γραικύλος schrieb am 28.07.2024 um 13:54 Uhr (Zitieren)
Hieraus lerne ich zweierlei:
1. Für eine Open-access-Veröffentlichung zahlt der Autor, beginnend bei 7000 Euro (plus MWSt).
2. Ich bin ein versprengter Papyrophiler.
"Quid est, Catulle, quid moraris emori?"
Re: Neuerscheinung
Bukolos schrieb am 28.07.2024 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Wobei der Trend schon in diese Richtung geht: Bei der vorliegenden Publikation verweisen etwa die Unibibliotheken im Berlin-Brandenburger Raum nur noch auf die digitale Ausgabe.*
Aber ja, die Leistung der großen Wissenschaftsverlage scheint sich von den klassischen Verlagsaufgaben (Finanzierung der Veröffentlichung, Lektorat) wegzubewegen und auf bloße Bereitstellung von Renommee zu reduzieren.
Γραικύλος schrieb am 28.07.2024 um 14:17 Uhr (Zitieren)
Ob es klug ist, sich auf etwas a. technisch, b. politisch dermaßen Fragiles zu verlassen wie den freien Internetzugang, das wird sich dann noch zeigen.
Re: Neuerscheinung
Γραικύλος schrieb am 28.07.2024 um 14:19 Uhr (Zitieren)
Hier jedenfalls sind wir von einem Webmaster abhängig, zu dem niemand Kontakt hat und von dem niemand weiß, was er morgen tun wird.
Re: Neuerscheinung
Γραικύλος schrieb am 28.07.2024 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Meine Entscheidung für die eigene Bibliothek ist in der UdSSR zur Zeit Breschnews beim Besuch der Lenin-Bibliothek gefallen: Dort gab es alles, aber der Zugang war strikt reglemetiert und zensiert.
Es steckt viel Vertrauen in dem Setzen auf ein freies Internet.
Re: Neuerscheinung
filix schrieb am 28.07.2024 um 18:23 Uhr (Zitieren)
Gleichsam als Pointe zu den Anmerkungen über totalitäre Kontrolle und Zensur des Wissenszugangs besitzt in Berlin, folgt man Bukolos' Link, das einzige gedruckte Exemplar in Berlin ausgerechnet die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB), die 1954 aus dem Marshallplan finanziert wurde, um Bildungs- und Meinungsfreiheit zu garantieren und dem Einfluss des Ostsektors über die Buchbestände, die den Krieg überdauerten, etwas entgegenzusetzen.
Vielleicht ist die Anschaffung auch in diesem historischen Erbteil begründet, ich nehme aber an, dass wenigstens auf Ebene der Verbundstrukturen der nicht von ungefähr dezentral organisierten Bildungseinrichtungen es Austausch über Ankaufsstrategien von Speichermedien des Wissens gibt.
Man kann ja darüber diskutieren, wie viele Festkörper es von diesem oder jenem Werk in einer bestimmten wissenspolitischen Verwaltungseinheit braucht, um Stromausfall, Cyberangriffen oder sonstigen totalitären Begehrlichkeiten entgegenzuwirken.
Auch die physische Privatbibliothek (oder ihre mnestische Einverleibung, der Ray Bradbury übrigens eine heute von den neuen Rechten beanspruchte Kraft angedichtet hat) kann nur Keim der Résistance sein, ohne Multiplikation, Zirkulation und Austausch gibt es keine Freiheit des Wissens, keine es weiterentwickelnde Produktion.
Ja, wobei die klassischen Aufgaben als zentrale Punkte in der Auflistung der Leistungen, für die dem Autor die Publikationsgebühr abgenommen wird, auftauchen, da ist dann von kuratiertem, wissenschaftlich hochwertigem Verlagsprogramm, Qualitätssicherungsprozessen (peer review) und Erfüllung der Förderauflagen aller großen Forschungsförderer die Rede.
Diese Hybridformen sind ja letztlich aus einer Umarmung des einstigen Todfeindes hervorgegangen, die Oligpolisten haben, ehe sich ähnliche Qualität und vergleichbares epistemisch-soziales Prestige bereitstellende Strukturen im unabhängigen Open-Access-Bereich hinreichend ausdifferenzieren und zur echten Konkurrenz verfestigen konnten, deren Strategien kopiert und sie kostenpflichtig angeboten. Das ist alle wissenspolitisch nicht weniger heikel als klassische Diktatoren.
Re: Neuerscheinung
Γραικύλος schrieb am 29.07.2024 um 00:05 Uhr (Zitieren)
Die Verlags-Oligopole kommen hinzu, das stimmt. Kurz habe ich gedacht, daß sie sich beschränken auf Wissenschaftsverlage wie de Gruyter; aber da habe ich falsch gedacht. Man merkt das nur nicht so leicht bei all diesen Verlagen, die doch bei näherem Hinsehen nur noch Imprint-Verlage sind.