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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die seltsamen Götter Roms (230 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.07.2024 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Laktanz, Divinae institutiones:
Nachdem wir über die Götterdienste gesprochen, die allen Völkern gemeinsam sind, will ich nunmehr über die Gottheiten sprechen, die den Römern allein angehören.

Von Acca Larentia, der Gattin des Faustulus, der Amme des Romulus und Remus, ist es kein Geheimnis, daß sie sich jedermann preisgab; sie wurde darum auch Lupa genannt und in Gestalt der Wölfin dargestellt. Auch Faula und Flora waren Buhlerinnen; Faula war, wie Verrius (1) berichtet, die Buhldirne des Herkules; Flora erwarb sich durch öffentliche Preisgabe große Schätze und setzte dann das Volk zum Erben ein. Darum werden ihr zu Ehren die Floralien begangen.

Tatius fand in der „Großen Gosse“ (Cloaca Maxima) ein weibliches Bildnis, weihte es der Göttin und gab dieser den Namen Göttin der Gosse (Cloacina). Während der gallischen Belagerung (2) machten die Römer Schleudern aus den Haaren der Weiber und errichteten darum Venus der Kahlen (Venus Calva) einen Altar. Ebenso dem Jupiter Pistor, dem Bäcker, der im Schlafe sie gemahnt hatte, von jeder Getreideart ein Brot zu bereiten und auf die Feinde zu schleudern; auf dies hin ga-ben die Gallier die Hoffnung auf, die Römer durch Aushungerung bezwingen zu können[,] und standen von der Belagerung ab.

Den Pavor und Pallor, das Beben und die Blässe, hat Tullus Hostilius (3) zu Göttern gemacht. Auch der Verstand, Mens, wird göttlich verehrt; ja hätten sie Verstand gehabt, so wäre ihnen wohl niemals seine Verehrung in den Sinn gekommen. Die Ehre und Tapferkeit, Honos und Virtus, hat Marzellus (4) als Gottheiten eingeführt.

Noch andere eingebildete Gottheiten hat der Senat eingesetzt, so die Hoffnung, die Treue, die Eintracht, den Frieden, die Züchtigkeit, die Frömmigkeit, lauter Tugenden, die im Herzen der Menschen hätten Wahrheit und Wirklichkeit haben sollen, die aber durch Aufstellung innerhalb der Tempelwände zu falschen Gottheiten wurden.

Doch könnte man sich mit der Verehrung dieser Gottheiten, denen zwar außerhalb des Menschen keinerlei Wirklichkeit zukommt, noch leichter befreunden als mit der Verehrung des Rubigo und der Febris, des Mehltaus und des Fiebers, Dinge, die man nicht zu Göttern machen, sondern um deren Abwendung man die Götter bitten soll. Was soll denn Fornax, die Göttin des Backofens, mit ihren Backofenfesten? Was soll Stercutus, der zuerst das Düngen des Feldbodens gezeigt hat, was die Göttin Muta, die Mutter der Laren, was Cunina, die die Kindlein in der Wiege schützt, was Caca, die dem Herkules die Kunde vom Diebstahl der Rinder brachte und so schuld wurde am Blute ihres Bruders?

Und was gibt es sonst noch für Seltsamkeiten und Lächerlichkeiten! Es verleidet einem fast, davon zu reden. Doch den Terminus dürfen wir wohl nicht übergehen; er soll ja nicht einmal dem Jupiter Capitolinus von der Stelle gewichen sein, er, der nur ein unförmiger Stein war. Diesem stellt man nun die Hut der Grenzen anheim; zu ihm fleht man feierlich von Staats wegen, daß er „des Kapitols unbeweglichen Felsen“ (5), daß er des römischen Reiches Grenzen erhalten und erweitern möge.

(Des Luc. Cael. Firm. Lactantius Schriften. München 1919, S. 142-144)

(1) Verrius Flaccus, Grammatiker und Antiquar der Zeit des Augustus
(2) 389 v.u.Z.
(3) dritter römischer König, 672-640 v.u.Z.
(4) M. Claudius Marcellus, Eroberer von Syrakus, 212 v.u.Z.
(5) Vergil, Aeneis IX 446
Re: Die seltsamen Götter Roms
Abitur 1981 schrieb am 20.07.2024 um 11:21 Uhr (Zitieren)
Laktanz kommt auch Autor im Abitur vor.
Ich erinnere mich noch an mein Abi (1981).
Ich fand es sogar im Netz:

http://www.ruediger-hobohm.de/Latein/Abi%20LK%201981.PDF
 
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