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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Wettkampf mit Herakles (445 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.07.2024 um 00:01 Uhr (Zitieren)
Aelian, Varia Historia I 24:
Caucon son of Poseidon and Astydamia daughter of Phorbas had a child called Lepreus [Λεπρεύς]. He advised Augeas to tie up Heracles when the latter asked him for the rewards for his labour (1). So Lepreus, as was to be expected, was disliked by Heracles after giving that advice. Some time later the son of Zeus arrived at Caucon’s house. At Astydamia’s request Heracles gave up his dislike of Lepreus. But they were overcome by a youthful spirit of quarrelsomeness, and competed with each other in throwing the discus, in bailing out water, in seeing who could first consume a bull for dinner [καὶ τίς καταδειπνήσει ταῦρον πρότερος]. In all these matters Lepreus was defeated. They had a drinking competition, and here again Heracles won. Lepreus was very annoyed, took up his weapons and challenged Heracles to single combat. And so he paid the penalty for his misbehaviour at Augeas’ house, because he died in the fight.

(1) die Säuberung des Augeasstalles

[Vgl. Athenaios 412AB]
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Aurora schrieb am 16.07.2024 um 10:37 Uhr (Zitieren)
KI-Übersetzung:
Caucon, Sohn des Poseidon, und Astydamia, Tochter des Phorbas, hatten ein Kind namens Lepreus [Λεπρεύς]. Er riet Augeas, Heracles zu fesseln, als dieser ihn um den Lohn für seine Arbeit bat (1). Wie zu erwarten war, wurde Lepreus deshalb von Heracles nach diesem Rat nicht gemocht. Einige Zeit später kam der Sohn des Zeus in Caucons Haus. Auf Astydamias Bitte hin gab Heracles seine Abneigung gegen Lepreus auf. Doch sie wurden von einem jugendlichen Streitgeist überwältigt und wetteiferten miteinander im Diskuswerfen, im Wasserschöpfen und darin, wer als Erster einen Stier zum Abendessen verspeisen könne [καὶ τίς καταδειπνήσει ταῦρον πρότερος]. In all diesen Dingen wurde Lepreus besiegt. Sie hatten einen Trinkwettbewerb, und auch hier gewann Heracles. Lepreus war sehr verärgert, griff zu seinen Waffen und forderte Heracles zum Zweikampf heraus. Und so zahlte er den Preis für sein Fehlverhalten in Augeas' Haus, denn er starb im Kampf.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 16.07.2024 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Nicht schlecht meine ich - aus dem Englischen. "wurde ... nicht gemocht" hätte ich anders übersetzt, aber das sind Feinheiten.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 16.07.2024 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Was mir auffällt: Mir als Mensch passieren immer wieder Tippfehler (wie Du ja auch jetzt wieder bemerkt hast); das kommt bei der KI gar nicht vor.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 16.07.2024 um 18:53 Uhr (Zitieren)
Die Passivitis zeigt schon die Vorlage, aber gerade bei mögen (eine Abschwächung der Abschwächung der englischen Übersetzung von πολέμιος τῷ Ἡρακλεῖ) ist das Passiv offenbar verbreiteter denn je, während ein Ausdruck wie Streitgeist den Zenit seiner Popularität lange hinter sich hat, das ergibt ein merkwürdiges diachrones Potpourri, welches die Frage aufwirft, ob ein Mensch als versierter Übersetzer so eine Schwankung nicht eher vermeiden würde. Das mag in kurzen Texten als Feinheit erscheinen, hat aber bei längeren, überhaupt solchen, die sich um einen eigenen Ton, Sound oder Duktus bemühen, wie immer man diese schwer fassbare Formgebung des Ganzen nennen mag, m.E. erhebliche Auswirkungen.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 16.07.2024 um 19:14 Uhr (Zitieren)
Skurril auch zum Abendessen (verspeisen), einem menschlichen Übersetzter ist schnell klar, dass es hier nicht um die typische Zeitordnung der Mahlzeiten geht.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 16.07.2024 um 22:38 Uhr (Zitieren)
Mein Eindruck ist der, daß die Übersetzung nicht schlecht ist, aber im Sinne von filix' Argumenten ein kundiger Mensch drüberschauen sollte, wenn einem an einer guten Übersetzung gelegen ist.

Nun, das ist der Stand von heute. Wie wird es in zehn Jahren damit aussehen?

Ein Freund von mir war literarischer Übersetzer Englisch --> Deutsch; ich glaube nicht, daß er sich heute noch für diesen Beruf entschiede, d.h. daß er ihm eine Zukunftsperspektive zutraut.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 17.07.2024 um 00:04 Uhr (Zitieren)
Noch eins: man hat im Deutschen gewöhnlich keinen Wettbewerb, wenn man einen als Teilnehmer austrägt. Das Bestechende an der Übersetzung ist zunächst, dass sie die in den letzten Jahrzehnten gereifte negative Erwartung an typische Maschinenübersetzungen nicht sofort erfüllt und das Unbehagen zwischen Jobvernichtungsphantasien und intellektueller Kränkung sich ungehindert ausbreiten kann. Das erzeugt offenbar einen gewissen Blendeffekt auch in der Lektüre, da nehme ich mich keineswegs aus, man muss also etwas länger nachdenken, um die Fragwürdigkeiten zu sehen. Eine technische Entwicklung, die am Sonntag des Lebens den Menschen auch als Korrektiv ablöst, wird den idealen Leser schaffen, der in all die vollkommenen Werke der KI vertieft sie symbiotisch ergänzt (was wären sie ohne ihn?). Und wir? Wir haben dann endlich frei. Oder?
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 17.07.2024 um 00:16 Uhr (Zitieren)
filix, ich weiß es nicht, worauf das hinauslaufen wird. Ich kenne eine Menge Leute, die gerne schreiben, aber auch möchten, daß das gelesen wird (ein Wunsch, der sich des öfteren nicht erfüllt).
Natürlich werden sie - falls es sie dann noch gibt - weiter schreiben können, und irgendwas muß man mit all seiner freien Zeit ja anfangen.

Meine Vermutung geht dahin, daß sich das Verhalten der Leser ändern wird; KI kann als "Autor" ganz anders auf die Bedürfnisse von Lesern eingehen ... und in absehbarer Zeit wohl auch auf das nach Hochliteratur.

KI ist Teil einer Revolution, und wie bei allen Revolutionen weiß man vorher oder mittendrin nicht, was letztlich dabei herauskommt. "Die Becher dunkel und die Würfel blind."
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 17.07.2024 um 00:17 Uhr (Zitieren)
Aber ich möchte Aurora danken für die Vorstellung dieser Kostprobe.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 17.07.2024 um 10:03 Uhr (Zitieren)
Dieser Tage ging eine Meldung durch die Medien, daß von KI generierte Witze gut berurteilt wurden im Vergleich zu menschlichen.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 17.07.2024 um 11:51 Uhr (Zitieren)
Local Man Discovers New Emotion, Still Can't Describe It Properly.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Udo schrieb am 17.07.2024 um 13:37 Uhr (Zitieren)
Treffen sich zwei KI-Systeme in der Cloud. Sagt das eine: "Hey, ich habe gerade einen Turing-Test bestanden!" Darauf das andere: "Ach, mach dir nichts draus. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt, menschlich zu wirken!"

Ein Mensch und eine KI spielen Schach. Nach einer Weile sagt die KI: "Schachmatt in 3 Zügen." Der Mensch schaut verwirrt auf das Brett und fragt: "Wie kommst du darauf? Ich sehe das überhaupt nicht." Die KI antwortet: "Oh, tut mir leid. Ich habe gerade 10 Millionen Partien analysiert und die Zukunft vorhergesagt. Soll ich stattdessen so tun, als würde ich nachdenken und dann einen dummen Zug machen?"
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 17.07.2024 um 14:05 Uhr (Zitieren)
Hat den Aufstieg des Schachspiels zum Inbegriff superiorer menschlicher Intelligenz, vor dessen Hintergrund der letzte Witz mehr oder minder funktioniert, vom 19. Jahrhundert über den kalten Krieg hinweg bis an den Kipppunkt, da amtierende Weltmeister sich gegen Deep Blue & Nachfahren als chancenlos erwiesen, und die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre, in denen die Engines als genuine Gegner völlig uninteressant wurden, dafür aber zu Trainern der Könige unter den Unterlegnen des weltweit mit mehr Vergnügen und Zusehern denn je unter diesen ausgetragenen Spiels sich wandelten, schon jemand mentalitätsgeschichtlich nachgezeichnet? Nicht von ungefähr geistert dieser Umgang des Menschen mit einer Niederlage, der sich als Befreiung erweist, als historisches Musterbeispiel durch die Reflexionen über besagte Revolution.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 17.07.2024 um 14:27 Uhr (Zitieren)
Das Schachspiel bietet in dieser Hinsicht einen Vorteil: Da sitzen unter kontrollierten Bedingungen zwei Menschen einander in einem Wettkampf gegenüber.
Das Analogon in der Literatur wäre ein Wettschreiben coram publico. So funktioniert allerdings höchstens spontane Slam Poetry.

Selbst beim Schachspielen muß man höllisch aufpassen, daß die Teilnehmer keinen Knopf im Ohr haben.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
filix schrieb am 17.07.2024 um 14:58 Uhr (Zitieren)
Der vor allem im Online-Spiel heiß diskutierte Betrug, bei dem der Spieler nicht einmal die Leistung der Mustererkennung und des hilfsmittelfreien Memorierens der schlagenden Antwort auf den Zug des Gegners aufbringt, ist nur ein Aspekt, interessanter scheint mir die intellektuale Immersion - wenn also Hikaru oder Fabiano Strategien in der Vorbereitung mit einer Engine zu verstehen und am Brett aus dem Gedächtnis gewinnbringend einzusetzen wissen, auf die sie ohne diese niemals gekommen wären. Dergleichen wertet niemand mehr als Betrug, es geht in den selbst zum einträglichen Massenphänomen gewordenen professionellen Kommentaren aber oft als Differenzierung ein, wenn etwa zwischen computer move und human move unterschieden wird. Es ist diese hybride Entwicklung, in die allerorts die Hoffnungen gesetzt werden, das gilt für den KI-assistierten Roman allemal, vielleicht unter Ausbildung einer ähnlichen Unterscheidungskunst vulgo Kritik.
Re: Ein Wettkampf mit Herakles
Γραικύλος schrieb am 17.07.2024 um 22:55 Uhr (Zitieren)
Nein, wenn man von der KI eine Strategie ausarbeiten läßt und diese dann am Brett einsetzt, wird das nicht als Betrug gewertet.

Ich verstehe, was Du mit hybrider Literatur meinst, und stimme Dir zu, daß es wohl auch das geben wird. Es wird also - und wir reden da immer noch über sich abzeichnende Tendenzen, nicht über etwas, das wir wissen - 2040 ein Autor etwas anderes sein, als er es 2000 war. Sozusagen ein literarischer Cyborg.
 
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