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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine kurze Geschichte Europas (310 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.07.2024 um 00:01 Uhr (Zitieren)
Wir können die Geschichte an dem Punkt beginnen, als ein etwas exzentrischer Rabbi namens Jesus vom römischen Statthalter auf Betreiben der jüdischen Hohenpriester zum Tod am Kreuz verurteilt worden war. Der Vorwurf lautete, sich zum König der Juden alias Messias ernannt und damit Hochverrat gegen die römische Staatsmacht begangen zu haben.

So zog denn ein schwer an seinem Kreuz tragender Jesus zur Hinrichtungsstätte, wobei der Weg von zahlreichen Neugierigen und wenigen Anhängern gesäumt war. Zu den Gaffern gehörte ein gewisser Simon von Kyrene, der eigentlich nur einen Stier, den er an einem Seil führte, zum Markt bringen und verkaufen wollte. Der Stier reagierte auf das Gejohle der Menge sehr nervös, und in dem Augenblick, als dieses seinen Höhepunkt erreichte, weil Jesus gerade vorbeiwankte, riß der Bulle sich los und stürmte auf den Brennpunkt des Geschehens zu. Er nahm Jesus auf seine Hörner, schleuderte ihn hoch und trampelte dann auch noch auf dem herabfallenden Körper herum.

Auf diese Weise wurde Jesus nicht gekreuzigt, sondern von einem Stier getötet. Zwar versuchten Jesu Anhänger in der Folgezeit, von ihrem Glauben zu retten, was noch zu retten war; doch in Konkurrenz mit dem im römischen Reich populären Mithras-Kult hatten sie nun eindeutig keine Chancen mehr. Es war der Stier, das heilige Tier der Mithras-Religion, der offensichtlich den Sieg über den jüdischen Messias davongetragen hatte.

In dieser Religion tötete der aus Persien stammende Gott Mithras, der Sol invictus (der unbesiegbare Sonnengott), den Stier, um aus seinem Blut der Welt Fruchtbarkeit zu schenken. Das wurde nun, ohnehin schon bei Beamten und Soldaten beliebt, zur verbreitetsten Religion des römischen Reiches, während die Christen bald in Vergessenheit gerieten.

Das erwies sich als ausgesprochen günstig für Rom, denn in dem Moment, in dem die von der Völkerwanderung in Bewegung gesetzten germanischen Stämme das Reich bedrohten, hatten die Römer in den persischen Sassaniden an ihrer Ostgrenze keinen zweiten Feind, sondern einen im Glauben Verbündeten: Sie beide verehrten einen persischen Gott.

So gelang es mit vereinten Kräften, dem germanischen Ansturm standzuhalten und sogar die Germanen zur Übernahme dieses siegreichen Gottes zu bewegen. Europa war geeint im Mithras-Kult. Die unterirdischen Mithräen bildeten den Mittelpunkt der Städte des Reiches. Da aber weder Mithras noch sein Stier von sich behaupteten, die einzigen Götter zu sein, kam es nicht zu religiösen Zerstörungsexzessen gegenüber den zahlreichen anderen Göttern und ihren Heiligtümern.

Schlecht sah die Sache lediglich aus für die Frauen, denn zum Mithras-Kult waren ausschließlich Männer zugelassen. Frauen mußten sich mit den traditionellen weiblichen Göttern behelfen: von der mütterlichen Hera über die jungfräulich-strenge Athene bis zur erotischen Aphrodite, je nach Geschmack.

Auf die Dauer sahen Frauen diesen Zustand jedoch nicht als befriedigend an; sie wollten einen dem Mithras gleichgestellten Kult. Im Verlaufe der Geschichte Europas kam es deshalb zu Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen Frauen und Männern, die freilich nicht in offene Gewalt mündeten, sondern letztlich durch einen Sex-Streik entschieden wurden. Kühl wußten die Frauen die Triebe der Männer zu ihren Gunsten zu nutzen. So wurde neben dem Heiligen Stier der Kult der Heiligen Kuh eingeführt, und damit besaßen beide Geschlechter einen gleichrangigen religiösen, sogar noch verwandten Status, denn zum Stier gehört schließlich die Kuh.

Als im Zuge zunehmender Globalisierung die Kontakte zu Indien intensiv wurden und man dort die Idee von der Heiligkeit der Kuh als Dogma vorfand, konnte sich eine bis nach Asien reichende Glaubensgemeinschaft entwickeln. Auf das Töten des Stiers allerdings mußten die Männer verzichten; dieser Ritus wurde nunmehr durch eine symbolische Handlung ersetzt.

Lediglich am Südwestrand Europas, in Spanien, hielt sich die Praxis der Tötung von Stieren als quasi-religiöser Akt, weshalb die Spanier im Rest Europas als Außenseiter und Hinterwäldler galten.

Um so größer war die Aufregung, als eines Tages gerade diese Spanier in einer überaus populären Ballsportart Europameister wurden. An der religiösen Verarbeitung dieses Ereignisses wird noch gearbeitet; doch nur Pessimisten nehmen an, daß dadurch die Einigkeit Europas gefährdet sei.

(Wolfgang Weimer)
 
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