Γραικύλος schrieb am 04.07.2024 um 15:29 Uhr (Zitieren)
[b]Von der Affäre um König Nafirku’ri’a und seinen General](b]
Trotz seines nur fragmentarischen Erhaltungszustandes läßt sich für den folgenden Text der Strang einer Handlung erkennen, die einige so charakteristische Merkmale aufweist, daß man durchaus von einer gewissen Nähe zur modernen Gattung der Detektivgeschichte sprechen kann. Zentraler Gegenstand der in der Zeit der VI. Dynastie (ungefähr 2300-2150 v.Chr.) spielenden Erzählung ist eine amouröse Beziehung, die König Nafirku’ri’a Pijapij (Nfr-k-R’w Pjpj) zu dem General Sisenet (Z-sn-t) unterhält. Ein weiterer Handlungsträger ist der anonym bleibende „Kläger aus Memphis“ (spr-w n Mn-nfr), dessen wiederholte Versuche, eine Anhörung – wegen der Affäre um den König und seinen General (?) – durchzusetzen, dadurch sabotiert werden, daß man ihn durch den Einsatz von Musikern und Sängern übertönt. In dieser Situation tritt ein neuer Protagonist auf, Tjetij Sihent (Ttjz-Hnt „Tjetij, Sohn des Hent“), der – aus dem Munde des „Klägers von Memphis“ (?) – von den Gerüchten um den Herrscher erfahren hat und seine Ermittlungstätigkeit aufnimmt, um durch Beschattung des Königs einen Indizienbeweis für dessen Tun zu erbringen. Tjetij Sihent wird geheimer Zeuge von regelmäßigen nächtlichen Besuchen Nafirku’ri’as im Hause des Generals. Dann bricht der Text ab.
[...]
Für die Fixierung der Erzählung wurde ausschließlich schwarze Tinte verwendet, als Epoche der Niederschrift ist nach paläographischen Gesichtspunkten die XXV. Dynastie (ca. 745-664 v.Chr.) bestimmt worden.
Der folgende Textabschnitt ist relativ gut erhalten:
(Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Hrsg. v. Otto Kaiser. Band III/2: Weisheitstexte, Mythen und Epen. Darmstadt 2019, S. 965 f.; 968 f.)