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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein altägyptischer Detektivroman? (305 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.07.2024 um 15:29 Uhr (Zitieren)
[b]Von der Affäre um König Nafirku’ri’a und seinen General](b]

Trotz seines nur fragmentarischen Erhaltungszustandes läßt sich für den folgenden Text der Strang einer Handlung erkennen, die einige so charakteristische Merkmale aufweist, daß man durchaus von einer gewissen Nähe zur modernen Gattung der Detektivgeschichte sprechen kann. Zentraler Gegenstand der in der Zeit der VI. Dynastie (ungefähr 2300-2150 v.Chr.) spielenden Erzählung ist eine amouröse Beziehung, die König Nafirku’ri’a Pijapij (Nfr-k-R’w Pjpj) zu dem General Sisenet (Z-sn-t) unterhält. Ein weiterer Handlungsträger ist der anonym bleibende „Kläger aus Memphis“ (spr-w n Mn-nfr), dessen wiederholte Versuche, eine Anhörung – wegen der Affäre um den König und seinen General (?) – durchzusetzen, dadurch sabotiert werden, daß man ihn durch den Einsatz von Musikern und Sängern übertönt. In dieser Situation tritt ein neuer Protagonist auf, Tjetij Sihent (Ttjz-Hnt „Tjetij, Sohn des Hent“), der – aus dem Munde des „Klägers von Memphis“ (?) – von den Gerüchten um den Herrscher erfahren hat und seine Ermittlungstätigkeit aufnimmt, um durch Beschattung des Königs einen Indizienbeweis für dessen Tun zu erbringen. Tjetij Sihent wird geheimer Zeuge von regelmäßigen nächtlichen Besuchen Nafirku’ri’as im Hause des Generals. Dann bricht der Text ab.
[...]
Für die Fixierung der Erzählung wurde ausschließlich schwarze Tinte verwendet, als Epoche der Niederschrift ist nach paläographischen Gesichtspunkten die XXV. Dynastie (ca. 745-664 v.Chr.) bestimmt worden.

Der folgende Textabschnitt ist relativ gut erhalten:
[...] Da [bemerkte er, daß] die Majestät König Nafir-ku’ri’as ganz allein zu einem einsamen Streifzug in die Nacht hinaus schlich. Sofort zog sich Tjetij Sihent vor ihm zurück, um zu verhindern, daß der König ihn etwa wahrnehmen könnte. Er verharrte regungslos und sinnierte: „Was es auch immer bedeuten mag, es trifft zu, das Gerücht, er gehe nachts aus.“ Ohne daß er sich deshalb Skrupel gemacht hätte, blieb er dem Gott hart auf den Fersen, um all sein Tun zu überwachen. Schließlich langte der König am Haus des Generals Sisenet an. Er warf einen Ziegel und gab ein Signal mit dem Fuß, so daß man ihm eine [Leiter] herunter lassen konnte. Er stieg hinauf. Währenddessen wartete Tjetij Sihent, bis Seine Majestät wieder auftauchen würde. Nachdem Seine Majestät mit General Sisenet getrieben hatte, wonach ihn verlangte, kehrte er zurück in den Palast, und wieder schlich Tjetij ihm nach. Erst als Seine Majestät sich in das Hohe Haus begeben hatte, ging auch Tjetij nach Hause. (Er überschlug:) Als sich Seine Majestät zum Haus des Generals Sisenet aufgemacht hatte, da waren vier Nachtstunden vergangen, vier weitere Stunden hatte er im Hause General Sisenets zugebracht, und von dem Zeitpunkt an, da er wieder in das Hohe Haus eingetreten war, dauerte es noch vier Stunden bis zum Tagesanbruch.

Von nun an heftete sich Tjetij Sihent ihm jede Nacht [an die Fersen], ohne sich deshalb Skrupel zu machen, und erst nach der Rückkehr [Seiner] Majestät [in das Hohe Haus ging auch er nach Hause].

(Damit bricht der erhaltene Text ab.)

(Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Hrsg. v. Otto Kaiser. Band III/2: Weisheitstexte, Mythen und Epen. Darmstadt 2019, S. 965 f.; 968 f.)
 
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