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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Fuchs und die Weintrauben (316 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.06.2024 um 15:37 Uhr (Zitieren)
Eine der bekanntesten Fabeln:
Äsop, Fabel 15:
Der Fuchs und die Weintrauben
(Ἀλώπηξ καὶ βότρυς)

Ein Fuchs hatte Hunger. Als er an einem Weinstock Trauben hängen sah, wollte er sie haben und konnte es nicht. Er gab auf und sagte zu sich selbst: „Sie sind noch nicht reif [ὄμφακές εἰσιν].“

So ist es auch bei manchen Menschen: Wenn sie aus Unfähigkeit etwas nicht erreichen können, machen sie die äußeren Umstände dafür verantwortlich.

(Äsop: Fabeln. Herausgegeben von Rainer Nickel. Düsseldorf/Zürich 2005, S. 24 f.)
Re: Der Fuchs und die Weintrauben
filix schrieb am 13.06.2024 um 14:49 Uhr (Zitieren)
Eigentlich geht es nicht um einen äußeren Umstand, sondern die Entwertung des Unerreichbaren, um die Unfähigkeit als vernünftigen Verzicht ausgeben zu können.
Dass die Trauben sauer wären, ist keine Äußerlichkeit, es spricht der begehrten Sache ihren wesentlichen Reiz ab.

Manche schreiten sogar zur Entwertung des Erreichten weiter. Nietzsche sagt irgendwo, dass der Überfuchs sozusagen auch die Trauben, die er anderen wegschnappt, als sauer ausgibt.
Re: Der Fuchs und die Weintrauben
Johannes schrieb am 13.06.2024 um 16:11 Uhr (Zitieren)
Nietzsche sagt irgendwo, dass der Überfuchs sozusagen auch die Trauben, die er anderen wegschnappt, als sauer ausgibt.

Zur Neidvermeidung?
Ich erinnere mich noch an dieses Buch:
Helmut Schoeck, Der Neid, Urgeschichte des Bösen

Der Neid zählt zu den 7 Todsünden.
Re: Der Fuchs und die Weintrauben
Γραικύλος schrieb am 13.06.2024 um 16:54 Uhr (Zitieren)
Fuchs der Füchse.- Ein rechter Fuchs nennt nicht nur die Trauben sauer, welche er nicht erreichen kann, sondern auch die, welche er erreicht und anderen vorweggenommen hat.

(Friedrich Nietzsche: Menschliches Allzumenschliches; Der Wanderer und sein Schatten 244)
Re: Der Fuchs und die Weintrauben
filix schrieb am 14.06.2024 um 11:50 Uhr (Zitieren)
Fuchs unter Füchsen, das war es, danke. Man kann darin eine Strategie der Neid- oder Konkurrenzabwehr sehen, aber denkbar scheint mir auch, dass das Herunterspielen des eigenen Erfolges als zusätzliche Kränkung der leer Ausgegangen wirkt, denen nicht nur das Objekt der Begierde vorenthalten, sondern auch noch ihr Begehren entwertet wird, da sie sich offenbar um etwas bemüht haben, das es nicht wert war. In der klassischen Fabel würde also eher versucht, kognitive Dissonanz zu reduzieren, in Nietzsches Version sie hingegen in den anderen zu vermehren.

Re: Der Fuchs und die Weintrauben
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 14.06.2024 um 17:32 Uhr (Zitieren)
Kann man in Nietzsches Dictum nicht auch die Absicht erkennen, durch die vorgebliche Abwertung nach außen den eigenen Genuß noch zu erhöhen? Der Pfarrerssohn folgt auf diese Weise äußerlich dem Gebot der Enthaltsamkeit weltlicher Genüsse (ich sehe ihn als ertappten Kirschen- oder Beerennascher vor der gestrengen Weiblichkeit förmlich vor mir) und kann sich trotzdem insgeheim ins Fäustchen lachen.
Der Mechanismus wirkt auch bei anderen Früchten ...
 
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