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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Von Überschwemmungen (291 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.06.2024 um 15:21 Uhr (Zitieren)
Isidor von Sevilla, Etymologiae XIII 22, 1-4:
Diluvium (Überschwemmung) wird so genannt, weil es durch das Niederstürzen der Wasser alles, was es überschwemmt, zerstört (delere).

Die erste Überschwemmung gab es unter Noah, als der Allmächtige, durch die Verbrechen der Menschen beleidigt [hominum sceleribus offensus], nachdem er den ganzen Erdkreis be-deckt hatte und alles zerstört worden war, einen einzigen Raum aus Himmel und Meer gemacht hatte. Dessen Anzeichen sehen wir immer noch in Steinen, welche wir beim Abtragen von Bergen mit Muscheln und Austern vermischt, oft auch durch Wasser ausgehöhlt zu sehen pflegen.

Die zweite Überschwemmung fand in Achaia statt unter dem Patriarchen Jakob und in den Zeiten des Ogygius, der Gründer und König von Eleusis (1) war und der dem Ort und der Zeit den Namen gab.

Die dritte Überschwemmung fand in Thessalien in den Zeiten von Moses und Amphiktyon statt, welcher als dritter nach Kekrops regierte. In dessen Zeit raffte eine Einschwemmung von Wassern [aquarum inluvies] den größten Teil der Völker Thessaliens hinweg, wobei wenige durch Rückzugsgebiete der Berge gerettet wurden, besonders auf dem Berg Parnassus. In dessen Verlauf bemächtigte sich Deukalion der Herrschaft[,] der damals die auf Schiffen zu ihm Geflüchteten aufnahm und auf den beiden Gipfeln des Parnassus wärmte und ernährte. Von diesem glaubt man, dass das Menschengeschlecht nach einer Sage der Griechen aus Steinen wiederhergestellt worden sei, wegen der dem Herzen der Menschen innewohnenden Härte.

(Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Hrsg. v. Lenelotte Möller. Wiesbaden 2008, S. 512 f.)

(1) Der Sage nach war Ogygius der Gründer von Theben.
Re: Von Überschwemmungen
filix schrieb am 07.06.2024 um 23:02 Uhr (Zitieren)
Da Isidor ausschließlich drei geschichtsträchtige Flutkatastrophen behandelt, wirkt die Übersetzung durch Überschwemmung arg untertrieben, um nicht zu sagen skurril.
Re: Von Überschwemmungen
Γραικύλος schrieb am 07.06.2024 um 23:55 Uhr (Zitieren)
"Diluvium" - Isidors eigenen Wortwahl - meint aber doch das, oder?
Re: Von Überschwemmungen
Γραικύλος schrieb am 07.06.2024 um 23:55 Uhr (Zitieren)
eigenen --> eigene
Re: Von Überschwemmungen
filix schrieb am 08.06.2024 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Wir haben nun einmal eine qualitative Differenz markierende Begriffe wie Flut und Sintflut für Katastrophen so großen Ausmaßes, daneben wirkt Überschwemmung merkwürdig. Entsprechend bietet Georges Überschwemmung, Wasserflut und Sintflut als Übersetzungsmöglichkeiten an. Es heißt also »Noah und die Sintflut: Was sagen Bohrkerne, Tropfsteine und Entdeckungen am Meeresgrund über Ablauf und Tempo einer vermeintlichen Mega-Überschwemmung aus?« (ZDF online).
Re: Von Überschwemmungen
Γραικύλος schrieb am 08.06.2024 um 00:27 Uhr (Zitieren)
Wohl wahr, aber für "Sintflut" geht mir der Plural nicht so leicht über die Lippen.

Klar, "Überschwemmung" ist für die drei großen Fälle, die Isidor beschreibt, zu schwach.
Re: Von Überschwemmungen
Γραικύλος schrieb am 08.06.2024 um 00:58 Uhr (Zitieren)
Daß man "Sintflut" in aller, aller Regel im Singular verwendet, hängt vermutlich damit zusammen, daß sich die - etymologisch falsche - Bedeutung "Sündflut" eingebürgert hat; und die ist ja nun singulär.
Re: Von Überschwemmungen
Marcella schrieb am 08.06.2024 um 10:33 Uhr (Zitieren)
Alle drei "Überschwemmungen" setzen jedenfalls interessanterweise ein Flach-Erden-Modell voraus, wobei obendrein die Erd-bzw. Territorialränder irgendwie eingedeicht sein müssen, um das Abflie0en des Wassers zu verhindern, sebst bei einem vergleichsweise so kleinen Gebiet wie Achaia.
Aber auch die gesamte Erde als Globus müsste - schwer vorstellbar - in der Sintflut 4000 Meter hoch geflutet werden, wenn einzig der Ararat trocken bleibt.
All diese Fragen erkühnt sich die evangelikale Organisation "Answers in Genesis" zu beantworten, die auch ein maßstabgetreues Modell der Arche zum Besichtigen in die Gegend gesetzt hat. - Woher kamen übrigens die Kängurus und Grizzlies, die ja ebenfalls auf der Arche überlebt haben müssen? - Aber bei Gott ist ja nichts unmöglich.
Re: Von Überschwemmungen
Γραικύλος schrieb am 08.06.2024 um 14:57 Uhr (Zitieren)
Man merkt, zu welcher Zeit dieser Mythos entstanden ist: im Glauben an eine flache Erde ohne Amerika und Aufstralien. Wobei ja schon etliche asiatische Tierarten sich sehr hätten sputen müssen, um rechtzeitig bei Noah einzutreffen, der sicher schon Mühe hatte, auf all die Schneckenarten zu warten.
 
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