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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Monstervölker (306 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.06.2024 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Isidor von Sevilla, Etymologiae XI 3, 12-27:
12. Wie es aber bei den einzelnen Völkern Monster [monstra] unter den Menschen gibt, so gibt es im ganzen Menschengeschlecht Monster unter den Völkern, wie die Giganten, Hundsköpfe, Kyklopen und andere.

13. Die Giganten aber werden so genannt nach griechischer Wortherkunft, welche sie für erdgeboren [γηγενεῖς] halten, d.h. terrigena, weil die Erde, die sie nach der Sage geboren hat, mit riesiger Masse, ähnlich sich selbst, hervorgebracht hat. Γῆ wird nämlich die Erde genannt, γένος ist Art, Geschlecht [genus]. Der Volksmund mag sie auch Erdsöhne [filii terrae] nennen. Ihr Geschlecht ist unbekannt.

14. Fälschlich glauben aber einige in den Heiligen Schriften Unerfahrene, dass einige treulose Engel mit Menschentöchtern vor der Sintflut Beischlaf gehalten hätten, und dass daraus die Giganten hervorgegangen seien, d.h. übergroße und starke Männer, von denen die Erde erfüllt wurde.

15. Die Hundsköpfigen [Cynokephali] werden so genannt, weil sie hundeartige Köpfe haben, deren Gebell mehr wilde Tiere als Menschen erkennen lässt. Diese werde in Indien geboren.

16. Die Kyklopen aber bringt ebenfalls Indien hervor. Und sie werden Kyklopen genannt, weil von ihnen berichtet wird, dass sie ein einziges Auge in der Mitte der Stirn haben. Diese werden auch Wildfresser [ἀγριοφαγῖται] genannt, weil sie nur Fleisch von wilden Tieren essen.

17. Man glaubt, dass die Blemmyae in Libyen als Rümpfe ohne Kopf geboren werden und Mund und Augen in der Brust haben. Andere würden ohne Hälse geboren und hätten die Augen an den Schultern.

18. Im äußersten Osten aber werden monströse Gestalten von Völkern beschrieben. Die einen ohne Nase, von ebener Fläche im ganzen Gesicht, haben ein unförmiges Gesicht. Andere mit so weit hervorragender Unterlippe, dass sie in der Glut der Sonne ihr ganzes Gesicht damit bedeckten, wenn sie schlafen. Andere hätten einen zusammengewachsenen Mund und würden nur mit einer kleinen Öffnung durch ein Haferrohr Futter einschlürfen. Einige, so sagt man, seien ohne Zungen und würden zum Miteinander-Reden Winken oder Bewegung gebrauchen.

19. Die Panotier seien bei Skythien, so berichtet man, mit so breiten Ohren ausgestattet, dass der ganze Körper von diesen bedeckt wird. Πᾶν wird nämlich in der griechischen Sprache ganz genannt, ὦτα die Ohren.

20. Die Artabatiten in Äthiopien würden gebeugt wie das Vieh herumlaufen, keiner würde das vierzigste Lebensjahr überschreiten.

21. Die Satyrn sind schwache Geschöpfe mit gekrümmten Nasen, Hörnern auf der Stirn und an den Füßen, Ziegen ähnlich, welche in der Einsamkeit der heilige Antonius (1) gesehen hat. Dieser soll auch, so wird berichtet, als ihn ein Diener Gottes gefragt hatte, geantwortet haben, indem er sagte (Hieronymus, Vita S. Pauli 8): Ein Sterblicher bin ich, einer von den Wüstenbewohnern, die das Heidentum, verwirrt durch verschiedene Irrtümer, als Faune und Satyrn verehrt.

22. Einige werden auch Waldmenschen [silvestres homines] genannt, die andere Feigenfaune nennen.

23. Das Volk der Schattenfüßler [Sciopodum gens] lebe, so wird berichtet, in Äthiopien auf einem Bein und sei von unglaublicher Schnelligkeit. Diese nennen die Griechen deshalb σκιόποδας, weil sie bei Hitze zurückgebeugt auf der Erde liegend von der Größe ihrer Füße beschattet werden.

24. Die Gegenfüßler [Antipodes] in Libyen haben umgekehrte Sohlen an den Unterschenkeln und acht Zehen an den Füßen.

25. Die Pferdefüßler [Hippopodes] leben in Skythien; diese haben Menschengestalt und Pferdefüße.

26. In Indien, so wird berichtet, gebe es ein Volk, das Μακρόβιοι heiße und eine Statur von zwölf Fuß (ca. 4 m) habe. Und dort gebe es auch ein Geschlecht von einer Statur von einer Elle, welches die Griechen von cubitus (Elle) her Pygmäen nennen (πυγμή - Faust), von welchen wir oben gesprochen haben. (2) Diese bewohnen das Gebirge Indiens, welchem der Ozean benachbart ist.

27. Man berichtet auch, dass in demselben Indien ein Volk von Frauen lebe, welches mit fünf Jahren schwanger werde und das achte Lebensjahr nicht überschreite.

(Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Hrsg. v. Lenelotte Möller. Wiesbaden 2008, S. 443 f.)

(1) Einsiedler und Abt, um 251-356 u.Z.
(2) Abschnitt 7
 
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