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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ἀντιόχεια ἡ Μεγάλη; Ἀντιόχεια ἡ ἐπὶ Ὀρόντου #4 (265 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.12.2023 um 16:23 Uhr (Zitieren)
In Romanform schildert Gore Vidal in "Julian" aus der Perspektive seines Protagonisten die Stadt:
6. Gore Vidal: Julian

Das Nordtor ist ein massiver Bau aus ägyptischem Granit. Gleich hinter dem Tor hat man einen ersten, strahlend schönen Blick auf die Stadt, denn die Hauptstraße ist zwei Meilen lang eingefaßt von doppelten Säulengängen, die unter der Herrschaft des Tiberius erbaut worden sind. Nirgends sonst in der Welt kann man über zwei Meilen durch Säulengänge spazierengehen. Die Straße selbst ist mit Granit gepflastert und so angelegt, daß dort immer vom Meere, zwanzig Meilen entfernt, ein leichter Wind weht. [...]

Auf dem Wege zum Forum blickte ich mich etwas genauer um. Zur Linken liegt der Silpius, der sich jäh aus der Ebene erhebt. Der größte Teil der Stadt liegt zwischen dem Fluß Orontes im Westen und dem Silpius im Süden und Osten. Die schönsten Villen liegen an den Bergabhängen, wo morgens Schatten ist, wo sich prachtvolle Gärten befinden und von wo aus man einen herrlichen Blick aufs Meer hat. In einem Seuchenjahr ließ einer der Seleukidenkönige unmittelbar über der Stadt einen kolossalen Kopf aus dem Felsen hauen. Er heißt Charonion und schwebt wie ein böser Geist über der Stadt. Man kann ihn von fast jedem Stadtteil sehen. [...]

Auf dem Forum des Tiberius befindet sich ein großes Standbild jenes Kaisers sowie ein kunstvoll mit Marmor und Mosaiken geschmücktes Nymphäum, erbaut über einer Quelle, von deren Wasser Alexander behauptet hat, es sei süßer als die Milch seiner Mutter. [...]

Dann betrat ich in Begleitung der städtischen Würdenträger den größten Platz der Flußinsel; gerade gegenüber der eindrucksvollen Fassade des Kaiserpalastes steht dort ein nagelneues Beinhaus (9), dessen Bau von Konstantin begonnen und von Constantius vollendet wurde. Es ist achteckig und von einer vergoldeten Kuppel gekrönt. Das Gebäude heißt das Goldene Haus, und ich muß gestehen, daß es ein besonders schönes Beispiel moderner Baukunst ist. Sogar mir gefällt es, und ich bin kein Anhänger der Moderne. [...]

Dann betrat ich den Palast, erbaut zum größten Teil von Diokletian, der immer und überall den gleichen Bau wiederholte: ein Rechteck nach dem Grundriß eines Militärlagers. In der jüngeren Vergangenheit aber hat meine Familie soviel hinzugebaut, daß die ursprünglich so strenge Form durch neue Gebäude und kunstvolle Gärten völlig verdeckt wird. Auf dem Gelände des Palastes befinden sich Bäder, Kapellen, Pavillons und vor allem eine ovale, von immergrünen Büschen eingerahmte Reitbahn, die eine große Annehmlichkeit für mich ist.
[...]

Ich will die Menschen in Antiochia nicht in großer Ausführlichkeit schildern. Ihr schlechter Charakter ist zu gut bekannt. Sie sind streitsüchtig, verweichlicht und leichtsinnig; sie sind eifrige Anhänger von Pferderennen, Glücksspielen und der Päderastie. Die Stadt ist natürlich sehr schön und durch Klima und Lage begünstigt. Einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung bilden die Syrer, die in ihrem eigenen Viertel unten am Fluß wohnen, gerade gegenüber der Insel. Wenn man dieses Viertel besucht, glaubt man in Persien zu sein, so orientalisch sind die Menschen in Kleidung und Erscheinung. Im südlichen Teil der Stadt an der Straße nach Daphne lebt auch eine ansehnliche jüdische Bevölkerung. Dies sind größtenteils Bauern, die ihr Land als Belohnung für Militärdienst erhalten haben.
[...]

(Gore Vidal: Julian. Köln/Berlin 1965, S. 386-388; 393 f.)

(9) Kirche
 
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